Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Das Alte Land Schivelbein hatte andere Grenzen

Manfred Pleger 1994

Auf Grund der Verordnung über die Neugliederung der Landkreise vom 1. August 1932 werden die Landkreise Schivelbein, Belgard, Bublitz und Köslin aufgelöst und die Landkreise Belgard und Köslin neu gebildet. Für die Kreise und Städte Schivelbein und Bublitz, die damit ihre "Hauptstadtfunktion" verloren, war dies ein gravierender Einschnitt. Für das Land / den Kreis Schivelbein (und nur über Schivelbein und Belgard will ich berichten) war dies ein schmerzlicher Bruch einer 600jährigen eigenständigen, bis 1815 brandenburgisch geprägten Geschichte. Ich nehme dieses Ereignis, das die Schivelbeiner bis auf den heutigen Tag bewegt, zum Anlaß, in mehreren Beiträgen über die territoriale Zugehörigkeit des Landes und Kreises Schivelbein wie des Landes und Kreises Belgard zu berichten.

Nach dem "Neumärkischen Landbuch von 1337" gehörte das Land Schivelbein anfänglich zu Pommern und kam 1280 als dem Lande Arnhausen (castrum et terra Tarnhusze) benachbart vor. Nach der Karte der Neumark Brandenburg oder "Terra Transoderana vom Jahre 1337" gehörte das Land "Schiuelbeyn" (Schreibweise 1280 Schiuelben, 1292 Schiuelbeyn) zum Sprengel des Bischofs von Kammin und grenzte im Osten und Norden an Belgard und Arnhausen und im Süden an Falkenburg (terra Valkenburgh). Die Grenze bildete die NO-Richtung der Drage in Höhe Dramburg-Falkenburg. Im Westen bildete das Gebiet des uralten Besitzes der Borken die Grenze. Aus dieser Grenzbeschreibung ergibt sich ein anderer Umfang als der des späteren Kreises.

Nordwärts der Rega lagen nur die Orte Grössin und Nelep. Aus einer Grenzbeschreibung des Landes Belgard vom Jahre 1321 ersehen wir die genauere Grenzführung von Schivelbein. Danach reichte das Land Schivelbein südlich viel weiter in den Kreis Dramburg hinein. Es umfaßte das um 1254 als "dersertum Sarethicze circa Drauuam feuo" erwähnte Gebiet (Sarrantzig) und zog sich bis zum Wusterwitzer See und dem 1254 erstmals erwähnten Dolgensee bei Dramburg.

Diese Gegend wurde 1254 von den pommerschen Herzögen dem Kloster Buckow geschenkt. Um 1280 eroberten die Markgrafen von Brandenburg weite Teile Hinterpommerns, wobei sie ohne Zweifel auch das Land Schivelbein unter ihre Herrschaft brachten. Was noch zweifelhaft über die Grenzen zwischen Arnhausen und Schivelbein war, das sollten nach einer Urkunde vom Margaretentage des Jahre 1280 die Getreuen Borko, Romelo und Ludeke von Lassan abmachen. Jedenfalls waren über die Grenzen gegen Schivelbein Borke und die Ramels selbst beteiligt. Entweder hatten diese damals schon (wie seit 1322 bekannt) die zum Schlosse Alt Schlage gehörenden späteren Kirchspiele Reinfeld und Ziezeneff oder sie besassen damals das Land Schivelbein als markgräfliches Lehn, wenigstens zum Teil.

Aus dem Vertrage zu Vierraden 1284 scheint zu folgen, daß das Land zwischen Labes und Belgard nicht mehr pommersch, also märkisch oder bischöflich war. Es bildete die Länder Schivelbein und Zinnenburg. In dem letzteren lag auf beherrschender Höhe an der Muglitz inmitten des von den Mönchen christianisierten und kolonisierten Landes das um 1280 vom Bischof Hermann von Gleichen erbaute Schloß Arnhausen. Als Markgraf AIbrecht 1292 Schivelbein seinen Vattern verpfändete, bemerkte er, daß es erst kürzlich erworben sei, wahrscheinlich vom Bischof, denn dieser hatte Anspruch daran aus dem 13. Jahrhundert. Im Jahre 1317 verpfändete Markgraf Waldemar Land, Stadt und Burg Schivelbein dem Bischof von Kammin. Zwei Jahre später jedoch wurde es wieder eingelöst, und 1319 verkaufte es Waldemar, der sich in Geldverlegenheit befunden haben muß, an seinen Kammermeister Wedigo von Wedel, mit Vorbehalt jedoch der Landeshoheit. Als Mitkäufer wird der dänische Truchsess Nicolaus Olavson genannt. Der Kaufvertrag nennt die ansehnliche Summe vom 11000 Mark Silber. Um den Anfechtungen des Bischofs von Kammin zu entgehen, der behauptete, daß das Land Schivelbein nach Waldemars Tode seinem Stift heimgefallen sei, erkannte Markgraf Ludwig 1337 "opidum, territorium et castrum Schiuelbeyn" als Lehn des Bischofs an. Seit Erwerbung 1319 blieb das Land Schivelbein im Besitz der Familie von Wedel, bis es 1384 an den Deutschen Ritterorden kam.

Wurde Schivelbein brandenburgisch durch Tausch mit Belgard ?

Der Kreis Belgard sollte 1815 / 17 aufgelöst werden.

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Dieter Schimmelpfennig