Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Darkow / Dargikowo

kartographisch im Meßtischblatt Nr. 1962 ausgewiesen, liegt etwa vier Kilometer östlich von Belgard. Es war ein Bauerndorf mit Betrieben von zehn bis dreihundert Morgen. Neben den Höfen gab es noch sechs Tagelöhnerhäuser und ein Gemeindehaus. Das Ackerland, überwiegend von mittlerer Qualität, ermöglichte den Anbau von Roggen, Hafer, Weizen, Kartoffeln und Futterrüben. Die Obstgartenerträge deckten den Eigenbedarf. Die zweischnittigen Wiesen wurden stellenweise durch kleine Quellen berieselt, teilweise dienten sie auch der Torfgewinnung. Die größten Eigentümer waren Hermann Syring mit 82 Hektar und Paul Junke mit siebzig Hektar. Von den insgesamt 57 überlieferten Flurnamen können an dieser Stelle nur die bekanntesten wiedergegeben werden: Katzenhölle (kegelförmige Berge im Stuft, ehemalige Schwedenschanzen), Kirchberg, Ziegenberg, Hoher Berg, Eichrähm, Sonnenberg, Kamp, Milz und Große Trift (Viehweidenweg vom Kamp zum Füllingsweg, bildet im Stuft die Grenze zwischen dem alten Gemeindeland und dem ehemaligen Vorwerk, einer königlichen Domäne).

Darkow gehörte zum Kirchspiel Siedkow, wo Pastor Johannes Röhrig tätig war. Da es ein königliches Dorf war, soll es dort auch »schon immer« eine Schule gegeben haben. Bereits 1770 unterrichtete jedenfalls im dorfeigenen Schulhaus ein bärtiger, im Siebenjährigen Kriege mehrfach ausgezeichneter Soldat. Obwohl von den Dörflern hochgeschätzt, ist sein Name nicht bekannt. Sehr schlecht muß es gegen 1790 um das Darkower Schulhaus bestellt gewesen sein. Pastor Frankenfeld reichte im Einvernehmen mit der Gemeinde 1795 ein Gesuch an das damals in Köslin befindliche Konsistorium und die Königliche Kriegs- und Domänenkammer ein und bat um eine Beihilfe zum Neubau. Die Antwort lautete: »Von Gottes Gnaden Friedrich Wilhelm König von Preußen. Unsern gnädigen Gruß zuvor. Andächtiger, lieber Getreuer: Ihr erhaltet anbei das Antwortschreiben der Kriegs- und Domänenkammer zu Stettin, das in Darkow zu erbauende Schulhaus betreffend, um daraus zu ersehen, daß die Kriegs- und Domänenkammer zur Zeit zu den Baukosten des Schulhauses in Darkow keinen Fonds habe. Sind Euch mit Gnaden gewogen. Cöslin, den 13. November 1795. Königliches Preußisches Pommersches Konsistorium von Gerlach. Gedike.« Erst Pastor Edelbüttel, Frankenfelds Nachfolger, gelang es 1820, »mit Gottes Hülfe die Dorfschaft in Güte zu bewegen, daß sie aus eigenen Mitteln ein ganz neues Schulhaus gebaut, so zweckmäßig und freigiebig, daß es ein Vorbild für andere Schulhäuser geworden ist.« Das Gehalt des Lehrers sah folgendermaßen aus:

Nebst freier Wohnung und Wirtschaftsräume gab ihm jeder Bauer jährlich acht Groschen, dagegen die übrigen Einwohner pro Kind sechzehn Groschen. Weiter wurde nichts beigetragen, weder zur Unterhaltung des Lehrers noch der Schule. Sommerschule war damals nicht, und der Lehrer konnte seinen auf dem Belgarder Felde gepachteten Acker mit zwei Ochsen bestellen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts sind in Darkow folgende Lehrkräfte namentlich bekannt: Hardt, Ferdinand Ewald, Karl Ewald, Martin Knop und Lehrer Badi, ein Bruder des Groß Poplower Pastors. Dessen Nachfolger war im Herbst 1836 der Lehrer Hohensee aus Klein Satspe. Da die Separation in Darkow um diese Zeit stattfand, bekam die Schule sechs Morgen Acker und beinahe drei Morgen Erlenbruch als Wiese. Die Schülerzahl war inzwischen auf vierzig angewachsen. Als im Jahre 1840 die Schulstube zu klein war, baute man an der Ostseite des Schulhauses aus Scheune und Stallung eine neue. Ferner errichtete man ein besonderes Wirtschaftsgebäude. Die alte Schulstube erhielt der Lehrer als zweite Wohnstube. Was ein Mann mit einem »festen« Herzen für ein Segen ist, das hat man erfahren, als Lehrer Gießmann im Jahre 1840 sein Amt antrat. So verdankt Darkow diesem Manne, der nicht den Leuten nach dem Munde redete, sondern in evangelischer Frömmigkeit nur der Stimme seines Gewissens folgte, die Abschaffung mancher roher und gottloser Missstände, wie z. B. tagelanger Trinkgelage, großer Ausschweifungen bei Hochzeiten und Begräbnissen, die damals nicht nur in Darkow, sondern auch in anderen Dörfern üblich waren. Am 3. Dezember 1866 erlebte Lehrer Gießmann zu seiner großen Freude die Einweihung des neuen Schulhauses durch Pastor Karkow aus Siedkow. Letzter Lehrer an der Darkower Schule war Walter Maaß.

Amtsvorsteher war Artur Götzke aus Darkow, sein Vertreter Alwin Runge wohnte in Pumlow, ebenso der Standesbeamte Klemp. Ernst Schwandt war zum Bürgermeister gewählt worden, Paul Wussow vertrat als Ortsbauernführer die Interessen der Landwirte. Zuständiger Polizeibeamter war Landjägermeister Bombien aus Siedkow. Willi Koltermann war als Schuhmachermeister tätig, Hugo Reinke und 1938 Paul Hardt betrieben die Dorfschmiede; einen Kolonialwarenladen mit Gaststube führte Otto Jäger. Die von Walter Maaß angeführte Feuerwehr verfügte über eine vom Auto gezogene Motorspritze. Der Jungsturm wurde zunächst von Egon Strehlow aus Belgard geleitet, später von Werner Lauter und ab 1943 von Alfred Neitzel.

Darkow wurde in den ersten Märztagen 1945 ohne Kämpfe und Zerstörungen von russischen Truppen besetzt. Die erste Flucht der Darkower endete 1945 schon nach wenigen Kilometern. Sämtliche Einwohner mussten auf Anordnung der Russen nach Darkow zurückkehren. Die Vertreibung der dörflichen Bevölkerung fand 1946 bis 1947 statt. Bürgermeister Ernst Schwandt und Lehrer Walter Maaß schieden samt Familien freiwillig aus dem Leben.

Quellen:

Der Kreis Belgard

Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

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Dieter Schimmelpfennig