Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern

                                                 

Kamissow / Kamosowo

Urkundlich seit 1493 nachgewiesen, ist es als Guts- und Bauerndorf weit über die Kreisgrenzen hinaus in ganz Pommern bekannt. Es liegt fünf Kilometer südwestlich von Belgard (Messtischblatt Nr. 2061) etwa einen Kilometer abseits der Landesstraße von Belgard nach Schivelbein unmittelbar an der Kleinbahn Rarfin-Belgard. Die weitläufige, ebene Feldmark mit ihren mittelschweren bis schweren Böden und zahlreichen Kalk-, Lehm- und Ziegeltonvorkommen wird vom Nonnenbach und von der Persante durchflossen bzw. begrenzt.

Das Rittergut Kamissow und das Nachbargut Natztow waren bis zum 25. November 1773 ein Lehen der Familie von Wopersnow. Danach wurde es von Kleistsches Eigentum. Innerhalb dieser Linie verblieb das Gut bis zum Jahre 1945. Letzter deutscher Eigentümer war Kurt von Kleist, der durch die beispielhafte und vorausschauende Art der Bewirtschaftung und den klugen Einsatz moderner Technik das Rittergut Kamissow zu neuer Blüte brachte. Es galt schließlich als Muster- und Lehrgut und war häufig das Ziel auswärtiger Besuchergruppen. 1939 wohnten in der 771,5 Hektar großen Gemeinde 246 Personen in sechzig Haushaltungen. Neben dem Gut gab es noch fünf Höfe mit Nutzflächen zwischen zehn und fünfundzwanzig Hektar sowie vier Kleinbetriebe unter zehn Hektar. Viele Flurnamen sind bis heute überliefert: Botterwinkel, Fuchsberg, Kriechland, Borcharts Wiese, Ballers Fichten, Lehrerfichten, Dreiecks- und Groß Dubberow-Schonung, Fliegenfichten, Hohles Grund-Ufer, Krugwiese und -schlag, Lange Wiesen, Radeort, Diekstall-Wiese, Schmiedkaten, Hundstart, Ziegeleiwiese, Binnen- und Parkschlag, Lehrerbach und -wiese, Stadt-, Weiden-, Born- und Bergweg, Borngraben, Camp, Tiefe Wiese, Bultdeipwisch, Kaiserhof (der Sage nach soll sich Napoleon l. dort aufgehalten haben), Schäferhof, Behlingswiese, Wall- oder Burgberg, Völzenbach und Loeckenberg.

                                                          Gruss aus Kamissow      

Die Landgemeinde Kamissow wurde im Jahr 1928 aus dem damaligen Gutsbezirk und der Dorfgemeinde gebildet. Bis zum Jahr 1944 war Johannes Priebe Bürgermeister und Ortsbauernführer, sein Nachfolger bis Kriegsende wurde Gutsinspektor Albert Thieke. Für den Amtsbezirk Kamissow waren Amtsvorsteher Richard Schröter und sein Stellvertreter Karl Göttel aus Natztow zuständig. Max Krebs, seine Ehefrau Charlotte, geborene Fritz, und Herr Schierholz aus Latzig regelten untereinander die gegenseitige Vertretung als Standesbeamte. Der Arm des Gesetzes in der Person von Landjägermeister Mau aus Vorwerk reichte bis nach Kamissow und sorgte auch hier für Ruhe und Ordnung. Die einklassige Volksschule leitete Lehrer Walter Korth. Der Ort war nach Belgard eingepfarrt.

Im Ort gab es zwar eine Gastwirtschaft mit einem kleinen Kolonialwarenhandel, für größere Einkäufe musste man jedoch ins nahe Belgard fahren. Die notwendigen handwerklichen Arbeiten machte man entweder selbst oder ließ sie von den Gutshandwerkern ausführen. Selbständige Handwerksbetriebe gab es in Kamissow nicht. In der Gutsbrennerei wurden große Mengen der in Kamissow und Natztow geernteten Kartoffeln zu Spiritus verarbeitet, der dann in den Kesselwagen der Kleinbahn nach Belgard transportiert und dort für den Transport zur Weiterverarbeitung in große Waggons umgefüllt wurde. Die letzte der früher vorhandenen Ziegeleien wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts geschlossen. Dagegen waren nahe der östlichen Gemarkungsgrenze in Lenzen noch bis Kriegsende 1945 zwei größere Ziegeleien in Betrieb.

Am 3. März 1945 marschierten russische Truppen in Kamissow ein. Die Brennerei wurde sofort geplündert, auch das Mausoleum der Familie von Kleist wurde ein Opfer der Zerstörungswut. Das Gutshaus brannte wenige Jahre später -vermutlich durch Blitzschlag - bis auf die Grundmauern nieder. Trotz großer Anstrengungen seitens der Polen werden die Ernteerträge aus der Vorkriegszeit noch nicht wieder erreicht. Das Kamissower Elektrizitätswerk wurde dagegen wieder in Betrieb genommen und liefert seither Strom nach Beigard. Eine Maschinen- und Traktorenstation wurde neu eingerichtet. Viele Gebäude aus deutscher Zeit sind zwischenzeitlich abgerissen worden oder verfallen.

Quelle: Der Kreis Belgard, S. 399 - 400

Kamissow 1655

Besitzer: Claus v. Wopersnow, Jochim v. Wopersnow, Jochim Jürgen v. Wopersnow

Einwohner: Jürgen Möller, Jochim Bolten, Michel Meyer, Bauern

Hans Sifert, Jürgen Abraham, Hans Abraham, Christoff Blisse, Kossäten

Chim Brant, Jacob Abraham, Kätner

Peter Bröcker, Verwalter

Die Höfe von Görges Schefelt, Simon Schefelt, Jacob Wittstock, je 2 Hufen und Brant sind wüst

Kamissow 1666

Besitzer: Gebrüder Christoh Moritz und Hans Jürgen v. Wopersnow

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis von Hinterpommern, S. 129 - 130

Kamissow 1867

 

Kamissow ( Camissow ) besteht aus dem Gut und dem Bauerndorf, der Ziegelei, die ihren Betrieb aber bereits Anfang des Jahrhunderts eingestellt hat und einem Krug.

In Bezug auf die Kirchenzugehörigkeit ist der Ort geteilt.

Das Gut gehört zur Kirche in Standemin, das Dorf zur St. Marien Kirche in Belgard, 4 Einwohner haben sich der Seehöfer Sekte angeschlossen.

Im Einzelnen:

 

 

Häuser

Wirtschaftsgebäude

Einwohner

Pferde

Rinder

Schafe

Schweine

Ziegen

Bienenstöcke

Kamissow

29

31

236

47

107

1464

84

4

30

Ziegelei und Krug

2

7

20

3

14

58

6

 

2

 

Quelle: Landbuch des Herzogtums Kaschubien

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