Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Kavelsberg / Ogrodno

Kavelsberg liegt im Bereich des hinterpommerschen Höhenrückens mit landschaftlicher Angrenzung an das »Fünfseegebiet« der Pommerschen Schweiz knapp vier Kilometer südlich von Bad Polzin (Meßtischblatt Nr. 2262). Allem Anschein nach bedeutet der Ortsname die Kaveln = Landstreifen, Parzellen am Berge. Ist nun Kavel (auch Kafel) ein deutsches oder ein wendisches Wort? Richtig ist wohl die zweite Annahme, denn kawel (oder kawal) bedeutet ein Stück, Anteil, ein Los; verkaweln = verlosen. Demnach dürfte richtig sein, daß Kavelsberg der Berg war, auf dem das gemeinschaftliche Land zur Bewirtschaftung ausgelost wurde. Lehrer Janneck konnte 1933 folgende Flurnamen nennen: Bökbusch, Bottenbruch, Galgenberg, Heedbarg, Kattämoor, Kiesberg, Rosengarten, Lehmberg, Möffelkuhl, Möhltbarg, Postweg und Stadtland.

Blick auf die Ortsmitte

1939 waren in der 460,4 Hektar großen Gemeinde 207 Einwohner in 49 Haushaltungen gemeldet. Die größten landwirtschaftlichen Betriebe besaßen Willi Wiedenhöft (hundert Hektar), Familie Niedermeyer (neunzig Hektar) und Paul Karsten (siebzig Hektar). Weitere 26 Betriebe besaßen Flächen von fünf bis zwanzig Hektar Eigenland. Auf dem sandigen bis anlehmigen Ackerland wurden neben den üblichen Bodenfrüchten auch Lupinen, Landsberger Gemenge und als Roggenuntersaat Seradella angebaut. In den Niederungen hat man stellenweise Torf gestochen. Da Kavelsberg eine relativ junge Siedlung war, blieb die »alte« Bau-Substanz aus der Gründerzeit um 1830 teilweise bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erhalten. Ein typisches Beispiel für die Bauart der ersten bäuerlichen Anwesen war das Gehöft Kleinschmidt / Venske mit den Lehmfachwerkgebäuden und Strohdächern; daneben lag der Teich, der durch Lehmgewinnung bei Errichtung des Hofes entstanden war.

Kavelsberg war früher ein Teil des Rittergutes Jagertow. In den Jahren 1831 bis 1835 verpachtete Rittergutsbesitzer Bauck eine Buschfläche von 444 Morgen in einzelnen Parzellen und gründete dadurch eine Kolonie, die am 2. September 1838 den Namen »Gabelsberg« erhielt. Erst 1906 wurde sie ein selbständiges Gemeinwesen und hieß nunmehr Kavelsberg. Leider wurde die von den örtlichen Lehrern geschriebene Kavelsberger Chronik am 3. März 1945 zusammen mit dem Schulgebäude ein Raub der Flammen. Die Gemeinde Kavelsberg gehörte dem Kirchspiel Bad Polzin  an. Da der Ort kein eigenes Gotteshaus besaß, ging man hier auch zur Kirche. Zuständiger Seelsorger war Pastor Hans Paust. Das Schulhaus mit Lehrerwohnung wurde 1894 aus rotem Backstein erbaut. 1928 unterrichtete dort Lehrer Otto Janneck in einem Klassenraum sechzehn Jungen und dreiunddreißig Mädchen. Ihm folgte Lehrer Paul Jeschke, der zugleich Rechnungsführer und ab Februar 1945 auch Bürgermeister der Gemeinde war. Vor ihm hatten Paul Karsten und Carl Krause das Bürgermeisteramt inne. Ortsbauernführer war bis 1939 Paul Karsten, ihm folgten bis September 1944 zunächst Friedrich Krause und dann bis Ende Februar 1945 Ernst Venske. Amtsvorsteher Willi Wach wohnte in Brutzen, sein Vertreter Wilhelm Scheffler kam aus Poplow. Er war zugleich Standesbeamter und wurde im Verhinderungsfall von seiner Ehefrau Else Scheffler oder Otto Klitzke vertreten. Die Polizeigewalt lag zunächst in den Händen von Oberlandjäger Iwanski aus Bramstädt, ihm folgte in der Zuständigkeit Oberlandjäger Tabatt aus Groß Poplow. Viele Einwohner waren Mitglied in einem der Vereine im Nachbardorf Gauerkow: im etwa 1910 gegründeten Turnverein »Gut Heil Gauerkow« mit dem letzten Turnwart Erich Gutz, im Schützenverein, im Kriegerverein unter dem Vorsitz von Lehrer Thom aus Gauerkow und dem Kommandeur Robert Schaffert aus Kavelsberg oder im gemischten Chor unter der Leitung von Lehrer Thom.

Die Schule

Kavelsberg gehörte dem Molkereiverein Bad Polzin an. Der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten wurde über den Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein Schivelbein, Zweigstelle Bad Polzin, abgewickelt. Das örtliche Gewerbe vertraten Schneidermeister Paul Möck und Schmiedemeister Reinhard Vorphal. In den dreißiger Jahren wurde von Ernst Venske die erste Poststelle mit öffentlichem Fernsprecher eingerichtet. Mit Autos wurden fortan die Postsendungen von und nach Bad Polzin transportiert, gleichzeitig konnten zweimal täglich in beide Richtungen maximal vier Personen befördert werden.

In den letzten Kriegsjahren wurden Schulkinder sowie Mütter mit Kleinkindern aus Berlin, Düsseldorf und Hamburg aufgenommen. Am Sonnabend, dem 3. März 1945, drangen russische Truppen, von Groß Poplow kommend, in Kavelsberg ein. Obwohl man keinen Widerstand geleistet hatte, wurden die Bauernhöfe von P. Karsten, W. Küthern, Lemke und P. Maske sowie die Schule mit Leuchtspurmunition in Brand geschossen. Im Jahre 1978 war nur noch ein Drittel der früheren Häuser bewohnt. Die übrigen Gehöfte wurden abgerissen, um so Brennholz und Baumaterial zu gewinnen.

Quelle:

Der Kreis Belgard

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Dieter Schimmelpfennig