Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Kieckow / Kikowo

Kieckow wird erstmalig im Jahr 1477 als Rittergut urkundlich nachgewiesen. Als Eigentümer taucht bereits damals der Name von Kleist auf; innerhalb dieses Geschlechts verblieb das Gut bis zu seinem letzten Besitzer Hans-Jürgen von Kleist-Retzow im Jahre 1945. Nach der alten Verfassung war der Ort zugleich auch ein Bauerndorf, für das sieben Vollbauern- und eine Halbbauernstelle ausgewiesen waren. In späteren Jahren - der genaue Zeitpunkt ist nicht nachgewiesen - wurden die Bauern nach Groß Tychow und Klein Krössin umgesiedelt, die Ländereien erwarb das Gut. Kieckow wurde dadurch ein reines Gutsdorf.

Das Herrenhaus

Der Ort liegt kartographisch im Bereich des Messtischblattes Nr. 2163 rund 22 Kilometer südöstlich von Belgard an der Kreisgrenze von Neustettin. Er ist über die Kreisstraße von Groß Tychow und mit der Eisenbahn über die Bahnhöfe in Groß Tychow und Villnow zu erreichen. Die östliche Gemarkung ist ziemlich eben und wird vom Leitznitzbach durchflossen. Im westlichen Gemeindebereich bildet der zwischen Leitznitz und Persante gelegene bewaldete Höhenzug mit dem Klepperberg die Gemeindegrenze. Im 18. Jahrhundert trieb die Leitznitz noch eine Wassermühle an. Nach Rodung und Kultivierung der Moor- und Wiesenflächen verlor sie ihre »bewegende« Kraft, und die Wassermühle musste durch eine Windmühle ersetzt werden. Auch die alte Kirche musste 1812 abgerissen werden, sie war über die Jahre immer baufälliger geworden. Erst im Jahre 1848 konnte eine neue Kirche errichtet werden. In den Folgejahren 1849 / 1850 entstand mit tatkräftiger Unterstützung einer kleinen Schar treuer Helfer das Rettungshaus in Kieckow, das nach der Gemahlin von Friedrich Wilhelm IV. den Namen »Elisabeth«-Stiftung erhielt. Das Haus wurde am 31. Oktober 1850 mit drei Knaben eröffnet; aufgenommen wurden Waisen und sittlich gefährdete Jungen im Alter von sechs bis vierzehn Jahren. Bis zum Ende des Jahres 1926 fanden hier insgesamt 727 Jungen eine zweite Heimat. Als Heimleiter sind noch die Namen von Diakon Gottfried Janczikowski und Franz Schulz bekannt.

1856 hatte Kieckow 256 Einwohner, der Baubestand umfasste 18 Wohnhäuser und 26 Wirtschaftsgebäude. Viehbestand 1864: 18 Ackerpferde, 1 Zieglerpferd, 2 Kutschpferde, 2 Reitpferde, 2 Ponies und 8 Fohlen; 21 Ochsen, 7 Rinder, 20 Kühe, 2 Bullen und 15 Kälber, sowie 1500 Schafe. Bis 1939 stieg die Einwohnerzahl auf 448 Personen in 88 Haushaltungen. Zum Gut gehörten die Stellmacherei von Fritz Dähnrich, die Schmiede von Otto Buchweitz und eine eigene Schlosserei, in der zuletzt der französische Kriegsgefangene Robert Gillet arbeitete. Die Gutsgärtnerei lag in den zuverlässigen Händen von Albert Ulrich, die Sattlerei des Gutes betrieb Sattler Bartel. 

Die Kapelle    

Die Landgemeinde Kieckow wurde von Bürgermeister Griesbach geleitet; für die Amtsgeschäfte waren Friedrich Wilhelm Fik und sein Vertreter Walter Priebe aus Zadtkow zuständig. Angelegenheiten des Personenstandswesens bearbeitete Standesbeamter Treichel oder sein Vertreter Karl Reinke aus Groß Tychow. Oberlandjäger Riedel aus Groß Tychow musste auch in Kieckow für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Leitung der einklassigen Volksschule übernahm nach Lehrer Max Eggert der Leiter der Elisabeth-Stiftung, Diakon Gottfried Janczikowski. Über das Vereinsleben liegen keine Berichte vor. Höhepunkt im Gemeindeleben war das alljährliche Erntefest mit der Übergabe der Erntekrone an die Gutsfamilie.

Ohne wesentliche Zerstörungen marschierten in den ersten Märztagen 1945 russische Truppen in Kieckow ein. Der in letzter Minute von den Deutschen organisierte Treck schaffte kaum vierzig Kilometer, bevor er in Podewils von der russischen Front eingeholt wurde. Zehn Tage nach dem Aufbruch war man unter großen Entbehrungen wieder nach Kieckow zurückgekehrt. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung übernahmen die Polen von Groß Tychow aus die Bewirtschaftung des Gutes. Drei große Kuhställe und mehrere Wirtschaftsgebäude sind neu errichtet worden. Das alte Dorfbild hat sich dadurch nachhaltig verändert, aber so markante Gebäude wie das Schloss, das »Rote Haus«, der große Kuhstall aus deutschen Tagen und der Speicher stehen noch heute.

Zur Geschichte und Entwicklung von Kieckow / Kikowo gestern und heute von H. v. Kleist-Retzow

Eine Geschichte aus Kieckow

Die verzauberte Prinzessin

Im Kesselgrund bei Kieckow befindet sich ein Teich, in dem der Sage nach eine verzauberte Prinzessin lebt. Alle Jahre am Johannistag verlässt sie den Teich, um in der Mittagsstunde am Ufer ihre Wäsche zu waschen oder um den Teich spazieren zu gehen. Sonntagskinder können sie sehen. Da sie sehr schön ist, kann ihr kein Mensch widerstehen. Sie winkt, fasst ihn an die Hand, und er muß folgen. Er geht mit hinein in den Teich und kommt nie wieder zurück.

Quellen:   

Der Kreis Belgard, S. 402           

Der Kreis Belgard, Sagen und Geschichten, S. 117

Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

Die Mitglieder des Gemeindekirchenrates der Parochie Groß Tychow 1880

Kieckow 1655

Besitzer: Valentin v. Kleist jun., Daniel v. Kleist

Kieckow 1666

Valentin v. Kleist, Sel. Steffan v. Kleists Witwe, Obrist Christian v. Kleist

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis von Hinterpommern, S. 139

Einwohnerverzeichnis Kieckow 18. Dezember 1812

Hans Hugo von Kleist-Retzow

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