Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Langen / Legi

mit Eichhof  und Neu Schlage / Slawka gem. Slawa

 

Zwölf Kilometer nordöstlich von Schivelbein liegt im Tal der Müglitz das vormalige Rittergut und Kirchdorf Langen. Sowohl das Stammgut als auch die Vorwerke Eichhof und Neu Schlage befanden sich seit 1820 in den Händen der Langener Linie des neumärkisch-pommerschen Uradelsgeschlechtes von Hagen aus dem Hause Naulin.

Das Gutshaus

1939 lebten in der 1935 Hektar großen Gemeinde 556 Einwohner in 118 Haushaltungen. Der größte Betrieb war das Rittergut Gerhard von Hagen mit 1145 Hektar Land, eigener Brennerei und Saatgutwirtschaft. Das Rittergut in Neu Schlage mit 526 Hektar gehörte Hans Heinrich von Hagen. In der Größenordnung von zwanzig bis dreißig Hektar waren acht Betriebe vorhanden; zwei Bauern bewirtschafteten weniger als zwanzig Hektar. Die Nutzflächen bestanden überwiegend aus fruchtbarem Ackerland. In den drei kleineren Moorgebieten Belaffen, Harmeismoor und dem Kiewit, wovon ein Teil dem Landwirt Franz Kohls (Lerchental) gehörte, wurde auch noch in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 Torf für den Eigenbedarf gestochen. Die einzigen Wiesen des Langener Bauernfeldes lagen auf einer kleinen Erhebung und gehörten dem Landwirt Wilhelm Schellin. Die Wälder mit ihrem Mischbestand aus Eichen, Buchen, Birken, Kiefern und Tannen gehörten dem Gutsbesitzer von Hagen, der auch das Jagdrecht über das Bauernfeld innehatte. Die Qualität des Ackerlandes reichte aus für den Anbau von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Flachs, Kartoffeln, Wruken (Kohlrüben), Futterrüben, Klee, Luzerne, Seradella und Wicke. Folgende Flurnamen sind überliefert: Twaskavel, Seebruch, Wassergrund, Spitzer Berg (frühere Opferstätte), Belaffen, Schafwäsche, Lerchental (Abbau Langen, um 1890 erreicht) und Kiebitzberge.

                                   Das Gut Neu Schlage 1926                   

Langen hat eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Wann der Ort gegründet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, denn viele Unterlagen sind 1945 verlorengegangen. Berechtigt ist immerhin die Annahme, daß mit der Erschließung des Ostens durch die Askanier wohl erste Siedler den Grundstein zum Ort Langen gelegt haben; das mag etwa Ende des 13. Jahrhunderts gewesen sein. Bald danach wurde das kultivierte Land ritterlichen Geschlechtern, die meist als Ministeriale im Dienste regionaler Herrscher standen, zu Lehen gegeben. Auf die Mitte des 14. Jahrhunderts lässt sich vermutlich der Ursprung des Rittergutes Langen zurückführen. Die Langener Heide war im Mittelalter Schauplatz einer Schlacht zwischen den Städten Belgard und Schivelbein. Als erster Besitzer des Rittergutes Langen »a« ist in den Annalen das Geschlecht von Manteuffel erwähnt. Dann geht es in die Hände der Familie von Krockow über. Ein schneller Wechsel der Besitzer mag den Schluss zulassen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse lange Zeit nicht besonders gut waren. Ab 1694 wirtschaftet die Familie von Wolden, doch schon 1776 geht es in den Besitz derer von Podewils über. Auch diese halten sich nicht lange, und so sehen wir von 1790 bis 1803 wieder das Geschlecht von Manteuffel (Klein Wardin) als Besitzer von Langen »a«. Zum anderen Teil von Langen (Langen »b« und »c«) gehörten ursprünglich drei Bauernhöfe und ein Vorwerk des Gutes. Jahrhundertelang war es ein Lehen der Geschlechter von Podewils und von Kleist. Nach einer kurzen Zwischenzeit in bürgerlichem Besitz erwarb der 1753 geborene Landschaftsrat Albrecht Gottlieb von Hagen 1820 das Rittergut Langen mit seinen Vorwerken, nachdem er den bisherigen Besitz Reselkow, Kreis Kolberg, verkauft hatte. Das Geschlecht von Hagen aus Neumark/ Pommern war nach Beendigung der Kultivierung des Ostens etwa ab 1300 zunächst im sogenannten Pyritzer Weizacker angesessen; mit dem Hause Naulin, einem Besitz bei Pyritz, war es fast vierhundert Jahre verbunden.

                                                   Gruss aus Langen 1912         

Verschiedene Um- und Anbauten haben das Gesicht des 1827 erbauten schlossartigen Gutshauses geprägt. Auffallend waren die kunstvoll geschmiedeten Tore mit den ebenfalls handgeschmiedeten Wappen der Geschlechter von Hagen und von Bonin, die die Vorfahrt mit dem Rosenrondell abschlössen. Ein in Stein gehauener Löwe über dem Haupteingang und vorderen Balkon umfasste die in gleicher Weise angefertigten Wappen derer von Hagen und von Dahlstjerna. Der letzte Besitzer auf Langen, Gerhard von Hagen, führte das Gut durch wirtschaftlichen Aufschwung zu neuer Blüte. Neben der völligen Konsolidierung und Modernisierung gelang es ihm auch, sämtliche fünf Söhne mit neuerworbenem Landbesitz abzufinden. Die Vertreibung im November 1945 führte ihn mit seiner Ehefrau über Rügen zu seinem bereits wieder ansässig gewordenen ältesten Sohn ins fränkische Land, wo er 1948 verstorben ist.

Die Kirche

Langen war eine Tochtergemeinde des Kirchspiels Arnhausen, wo Pastor Egbert Zieger amtierte, unterstützt von Küster Vietzke aus Langen. Im Schuljahr 1927/28 besuchten je vierzig Mädchen und Jungen aus Langen, Eichhof und Neu Schlage die einklassige Volksschule. Den Unterricht gaben die Lehrer Walter Falkenberg und Walter Naggatz. Bis 1945 war neben Herrn Falkenberg auch Lehrer Walter Fulde angestellt. Für die öffentlichen Belange innerhalb der Gemeinde waren Bürgermeister Hubert Brandt, Amtsvorsteher Paul Roepke, Ortsbauernführer Wilhelm Gerth und Standesbeamter Scheinhuber zuständig. Max Heberlein kümmerte sich als zuständiger Förster um alle jagd- und forstwirtschaftlichen Angelegenheiten. Auch der Name von Franz Köhn, Kutscher und Kraftfahrer in Diensten des Gutsbesitzers, wird vielen noch in Erinnerung sein. Handwerk und Gewerbe waren durch die Gärtnerei Wilhelm Flesch, die von Herrn Höft geleitete Gutsbrennerei, Schlosserei und Schmiede Wolf, Schreiner- und Stellmacherwerkstatt der Familie Vorpagel und die Molkerei unter der Leitung von Werner Karl vertreten. Die Freiwillige Feuerwehr stand unter dem Kommando von Paul Roepke; Gerhard von Hagen leitete den Kriegerverein. Nach 1933 wurden örtliche Gliederungen des BDM und der Frauenschaft gebildet.

                                      Innenraum der Kirche               

Während des Zusammenbruches 1945 gab es in Langen keine Kämpfe. Durch eine Rachebrandstiftung auf dem Bauernhof Lück fanden jedoch zehn Einwohner den Tod. Die Vertreibung begann Mitte 1946 und endete im September 1947. Heute ist durchweg ein unaufhaltsamer Verfall der Bauernhöfe zu verzeichnen; sämtliche Arbeiterhäuser wurden abgerissen und durch neue und größere ersetzt. Die Ländereien werden vom Gut Langen bewirtschaftet, das dem Kombinat in Redel untersteht. Das Gut Neu Schlage ist samt Fundamenten verschwunden, heute findet man dort eine Grünmehlfabrik. Anstelle des 1925 erbauten Gutshauses steht nun ein Rinderstall, von urwaldähnlichem Gebüsch umsäumt. Dahinter, auf dem Feld in Richtung Langen, ist eine riesige Radaranlage zu sehen. Viele Landwirte aus Langen und Neu Schlage übergeben, sobald sie das Rentenalter erreicht haben, ihr Ackerland dem Staat. Sie dürfen aber das Wohnrecht auf dem Hof lebenslänglich behalten. Die ehemaligen deutschen Einwohner von Langen haben sich nach dem Kriege wieder zu einer Gemeinschaft zusammengefunden und gemeinsam ihren Heimatort besucht. Mit großer Freude konnten sie dabei feststellen, daß die beiden Kirchenglocken aus deutscher Zeit weiterhin zur Ehre Gottes läuten, nunmehr allerdings für die polnischen Gläubigen. Auch die Inschrift an der einen Glocke ist noch erhalten: »Gestiftet vom Paten Gerhard von Hagen / Aus Dankbarkeit über die Geburt des ersten Enkels am 23. August 1927 / Eingeweiht am Erntedankfest, dem 2. Oktober 1927 / Dem 80, Geburtstag des Reichspräsidenten Feldmarschall von Hindenburg.« Ganz besondere Freude löste diese Inschrift natürlich bei dem bewussten Enkel selbst, dem Mitreisenden Dr. Hans-Gerd von Hagen, aus.

Das Gutshaus ca. 1930                                  Das Gutshaus 1990  

Heute befindet sich das Gut wieder im Besitz der Familie von Hagen und wird teilweise als Pension für Feriengäste genutzt.

Nähere Informationen erteilt Herr Albrecht von Hagen

Bericht über Langen

Eine Historie über den Werdegang des klassizistischen Gutshauses in Langen und seiner direkten Umgebung

Eine Vita über Elisabeth und Gerhard v. Hagen-Langen

Siehe auch Herrenhäuser in Hinterpommern

Quelle:  Der Kreis Belgard, S. 412 - 414

Albrecht von Hagen

Langen 1655

Besitzer: Gerd v. Manteuffel, Döring Jakob v. Krockow ( 1654 von Asmus v. Manteuffel gekauft )

Einwohner: Peter Ventzke, Schulze, 52 Jahre

Franz Wolff, 36 Jahre

Drewes Ventzke

Hans Schwanke, ist 1654 nach Polen entlaufen, Bauern

Michel Radden

Johl ( ? ) Ventzke

Michel Zuche, 60 Jahre, Kossäten

Marten Schmieder, Verwalter

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis von Hinterpommern, S. 128

Langen 1867

In Langen, inklusive der Wegegeldstelle und dem Vorwerk Eichhof, wohnen 388 Personen in 31 Wohnhäusern mit 46 Wirtschaftsgebäuden, 1 Schulhaus und 3 Fabrikgebäuden. An Vieh wird gehalten: 76 Pferde, 202 Rinder, 2839 Schafe, 130 Ziegen und 129 Bienenstöcke.

Quelle: Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

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Dieter Schimmelpfennig