Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Meseritz / Miedzyrzecze

mit Meseritzer Mühle, Vorwerk Lonk, Forsthaus Berkenow

Bauerndorf mit Rittergut und Mühle.

Bahnstation: Kleinbahn Stolzenberg — Kolberg 

Poststation: Schivelbein 

Meßtischblatt: Petershagen 2159

Meseritz liegt siebzehn Kilometer nordwestlich von Schivelbein und grenzt im Westen an den Kreis Regenwalde und im Norden an den Kreis Kolberg-Körlin. Es ist ein altes Lehn derer von Meseritz; dieses Adelsgeschlecht ist bald nach 1806 ausgestorben. Im Jahre 1763 meldete Rittmeister Heinrich von Meseritz Verluste aus dem Siebenjährigen Kriege an. Im Jahre 1807 wurden Leutnant von Meseritz und die Gemeinde mit vierzehn Hufen zur Kontribution veranlagt. Im Jahre 1817 wurde hier die Bauernregulierung durchgeführt. Vier Bauern erhielten je 78 bis hundert Morgen Land. 1846 war C. W. Gerstenberg Besitzer, 1854 kaufte Adalbert von Barsewisch oder Barsewich das Rittergut von 2800 Morgen und behielt es bis1860.1861 kaufte Adolf Peters Meseritz für 72 500 Taler. 1884 gab es in Meseritz noch drei Bauern, zwei Halbbauern und einen Büdner, sowie zwei Eigentümer. Name der Bauern: Neumann, Doge, Falk, Konraht und Wiedenhöft.

Einwohnerzahlen:

1925: 172 Einwohner in 27 Wohnhäusern mit 40 Haushaltungen 

1939: 157 Einwohner in 38 Haushaltungen

Auf den vorherrschenden leichten Böden wurde Land- und Forstwirtschaft betrieben. Das Rittergut von Karl Thurow hatte eine Betriebsgröße von 546 Hektar, davon 182 Hektar Wald. Eine Warmblutzucht sowie eine Brennerei und eine Flockenanlage gehörten zum Gut. Die Meseritzer Mühle mit Sägewerk umfaßte eine Fläche von 460 Hektar, davon 409 Hektar Wald; sie wurde von Hans Lenz bewirtschartet und lag in reizvoller Waldlandschaft, die von den Bachläufen Hammer und Pigge durchzogen wurde. Weitere Landwirtschaftsbetriebe mit mehr als zwanzig Hektar Nutzfläche wurden von Georg Boeck, Ernst Dassow und Robert Hardt bewirtschaftet.

Die Flurnamen in der Reihenfolge ihrer geschichtlichen Überlieferung: Born-Ort, Fleschen-Ort, Voß-Brink, Die Birk-Orte, Hohe Ohnpohlsche Kamp, Hohe Wellenkamp, Pagels-Brunke, Rade-Kamp, Die Schmalen Kaveln, Hopfenteich, Distelkamp, Hinterholz-Kamp, Schäferkamp, Die Gehl-Riegen, Bei dem Kutschenstein, Ellerbornskamp, Wiet-Soll und Pigge-Bach.

Meseritz gehörte zur Kirchengemeinde Semerow. In Meseritz wurde um 1504 Elisabeth von Meseritz geboren, die Nonne in Treptow/Rega war, dann evangelisch wurde und später den Magdeburger Prediger und späteren Professor Kaspar Creutziger (Cruciger), einen Amtsgenossen Luthers an der Universität Wittenberg heiratete. Sie war die erste Dichterin der evangelischen Christenheit. Von ihr stammt das Kirchenlied »Herr Christ, der einig Gotts Sohn Vaters in Ewigkeit« (Evangelisches Kirchenbuch für Rheinland und. Westfalen Nr. 46). Sie starb 1535 in Wittenberg.

Friedrich Lenz, am 9. November 1846 in Pflugrade/Kreis Naugard geboren, baute sich im Ersten Weltkrieg sein Forsthaus Meseritzer Mühle zu einem stattlichen Wohnhaus aus. Ein großer Raum wurde mit exotischen Jagdtrophäen ausgestattet und fand weithin große Beachtung. Lenz starb hier am 30. August 1930.

Aus seinem Lebenslauf wird berichtet: »Nach dem Besuch der Dorfschule in Carlshof, der höheren Bürgerschule in Gollnow und dem Marienstifts-Gymnasium in Stettin wechselte er auf die Provinzialgewerbeschule über, da er seine ursprüngliche Absicht, entsprechend dem Wunsche seiner Mutter, Theologie zu studieren, aufgegeben hatte. Bei Ausbruch des deutsch-österreichischen Krieges 1866 machte er vorzeitig sein Abiturienten-Examen. Anschließend meldete er sich als Einjährig-Freiwilliger, kam aber nicht mehr zum Einsatz. Nach der Militärzeit entschloß er sich zum Studium an einer Technischen Hochschule. Während der vorgeschriebenen praktischen Ausbildung arbeitete er bei verschiedenen Bautirmen. Nach der Teilnahme am deutsch-französischen Kriege 1870/1871 kam er dann zur Eisenbahnbautätigkeit, die fortan sein weiteres Leben bestimmen sollte. Zunächst arbeitete er auf vielen Eisenbahnbaustellen im Deutschen Reich, später in den damaligen deutschen Kolonien in Deutsch-Ostafrika, Togo, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika. Unter seiner Verantwortung wurden in diesen Kolonien insgesamt 1937 Kilometer Eisenbahnstrecken gebaut. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete seine Tätigkeit in den Kolonien. An Anerkennung für seine Tätigkeiten hat es nicht gefehlt. So war er Geheimer Baurat und Geheimer Kommerzienrat, zuletzt noch Dr. Ing. e. h. der Technischen Hochschule Charlottenburg geworden.«

Nach der Besetzung des Ortes durch russische Truppen in den ersten Märztagen 1945 und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde der gesamte Gemeindebereich zu einem Staatsgut zusammengefaßt. Viele der alten, unter Naturschutz stehenden Eichen und Buchen wurden leider Anfang der fünfziger Jahre gefällt. Die verbliebenen Bäume sind danach wieder unter Naturschutz gestellt worden. Der Park mit dem Erbbegräbnis und sonstigen Anlagen ist restlos verschwunden, zahlreiche Gebäude im Ort erlitten ein gleiches Schicksal.

 

Meseritz 1905

557,6 ha Gesamtfläche, 7 bewohnte Wohnhäuser, 1 andere Unterkunft, 16 Haushalte, 105 Einwohner, davon 59 männlich, 105 evangelisch

Quelle: Gemeindelexikon 1905

Meseritz auf der von Schmettau`schen Karte von 1780

Die Bauern von Meseritz

1830

4 Bauern, 4 Halbbauern, 1 Eigentümer

Falk, Döge, Schröder, Wohlgemuth, Krüger, Falk, Conrath, Falk

1884

3 Bauern, 2 Halbbauern, 1 Büdner, 2 Eigentümer

Neumann, Döge, Falk, Konraht, Wiedenhöft

Quellen:

Der Kreis Belgard, Celle 1989

Johannes Hinz, Pommern Wegweiser, Würzburg 1992

Dr. A. Zechlin, Die historische Enwicklung der bäuerlich gutsherrlichen Verhältnisse, Baltische Studien 35, 

S. 33 - 98

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Dieter Schimmelpfennig