Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern

                                                 

Nelep / Nielep

mit Vorwerk Augustenhof und Leoshof

Großes Guts- und Bauerndorf mit Rittergut sowie Frei- und Lehnsgut auf dem Gut Augustenhof. Früher teilweise Komtureidorf, liegt neun Kilometer nordöstlich von Schivelbein im östlichen Bereich an der alten Kreisgrenze Belgard. Im Süden wird der Flusslauf der Rega und im Westen das Ufer des Großen Beustriner Sees berührt.

Gruß aus Nelep 1927

Bahnstation: Nelep

Poststation: Schivelbein

Meßtischblatt: Stolzenberg 2160, Arnhausen 2161

Aus der Geschichte:

Nelep war trotz der Herkunft seines Namens (nie-leba = nahe dem Fluss, das heißt Rega) ein wiesenarmes Dorf, 1337 im Landbuch der Neumark erstmalig erwähnt (Nylep) und zum Lande Schivelbein gerechnet. 1349 erhält es der Ritter Hasso von Wedel aus Schivelbein von Markgraf Ludwig als Lehen, 1389 verkaufen die Brüder Wopersnow sieben Hufen in Nelep an die Brüderschaft zum Heiligen Leichnam in Schivelbein. Ein anderer Teil, seit 1394 im Besitz des Ordensvogts zu Schivelbein, geht im Laufe der Zeit in die Hände der Johanniter-Kommende über und wird 1808 Staatseigentum. 1545 erhält Augustin Ponad (Ponath) das Schulzenamt und das Niedergericht mit vier freien Hufen. Seitdem war der Schulzenhof im Besitz der Familie Ponath. 1679 liegen als Folge des Dreißigjährigen Krieges von neun Bauernhöfen sechs wüst. Besitzverhältnisse 1736: Stadt Schivelbein ein Drittel, Johanniter-Kommende zwei Drittel; es gab einen Lehnschulzen, zehn Bauern und einen Freibauern. Der städtische Anteil wird bald darauf verkauft. 1803: Acht Feuerstellen, 93 Einwohner. Rezeß 1823. Besitzer Krieger.

Das Dorf besteht aus einem Allodial-Rittergut, einem Vorwerk der ehemaligen Kommende, einem Frei- und Lehnschulzenhof, zehn Voll- und zwei Halbbauernhöfen, teilweise in Erbpacht. Elf Bauern und zwei Halbbauern werden frei. Einwohner 1825 = 282,1843 = 308,1861 = 365.

Besitzer des Rittergutes 1844 Schohl, 1853 Kuß. Eisenbahnverbindung seit 1859. In den achtziger Jahren zweiklassige Elementarschule. 1882: Eine Brennerei, eine Ziegelei. 1909 Einrichtung einer Postagentur. Vor dem Ersten Weltkrieg Sitz der größten Wassergenossenschaft im Kreise. 1927 Bau der Chaussee nach Schivelbein. 1939: Ländliche Spar- und Darlehenskasse und Elektrizitäts- und Maschinengenossenschaft Nelep.

Einwohnerzahlen:

1925: 611 Einwohner in 62 Wohnhäusern mit 130 Haushaltungen 

1939: 544 Einwohner in 135 Haushaltungen

Noch heute erinnert der Name Nelep an die Schlacht auf der Langen'schen Heide im Rahmen der Belgard-Schivelbeiner Fehde im Jahre 1469 und den damit zusammenhängenden Ausspruch:

»Hei leip und sei leip, sei leipe beed na Neileip.«

Rittergutsbesitzer Paul Seyer mit 811 Hektar (davon zweihundert Hektar Wald), das Frei- und Lehngut von Heinz Kettner mit 160 Hektar, 22 Betriebe mit jeweils über zwanzig Hektar Nutzfläche sowie einige Kleinbauern bewirtschafteten den leichten bis mittelschweren Boden. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden überwiegend für die intensive Viehhaltung benötigt. Auf dem Betrieb von Heinz Kettner wurde unter anderem auch Kartoffelsaatbau betrieben.

Einwohnerverzeichnis mit Ortsplan und Plan der Umgebung

Plan des Vorwerks Augusthof mit dem Bahnhof

Die überlieferten Flurnamen sind überwiegend auf die jeweilige Nutzung zurückzuführen: Der Dieck, Bült-Moor, End-Soll, Die Lüte, Blocksberg, Ziegenberg, Dieksberg, Hintermoor und Gründling (zugeschütteter Born).

           Kirchliche Trauung 1936        

Bedingt durch die relativ weite Entfernung nach Schivelbein waren am Ort zahlreiche Handwerks- und Handelsbetriebe vertreten: Sattler und Tapezierer Artur Timm, Schmiede Hermann Brunig, Schneider Hofs und Timm, Stellmacher Kohls, Schuster Schumacher, Tischlerei Papke, Mühlenbetrieb Erich Bräunig, Gasthaus Schumacher (mit Warenhandel). Eine Molkerei war ebenfalls vorhanden.

                                                   Die Kirche 1992                    

Bürgermeister und Ortsbauernführer war bis 1940 Heinz Kettner. Danach übernahm Albert Hardt  das Bürgermeisteramt, neuer Ortsbauernführer wurde Emil Dorow. Polizeibeamter Kapke als Ordnungshüter, Frau Papke als Hebamme und Pastor Rößler nahmen die weiteren öffentlichen und sozialen Funktionen wahr. Die zweiklassige Volksschule wurde von den Lehrern Karl Albrecht und Paul Fischer geführt, zuletzt vertreten von Frau Brase. Ein breites Vereinswesen mit Sport-, Schützen-, Krieger- und Reiterverein sowie einer Freiwilligen Feuerwehr trug wesentlich zur Belebung des dörflichen Lebens bei.

Freiwillige Feuerwehr Nelep 1937

Nelep wurde am 5. März 1945 nach erheblichen Kämpfen mit den deutschen Truppen von der 64. russischen Garde-Panzerbrigade besetzt. Anstatt des erhofften Friedens mußten die Bewohner bis zur Vertreibung leidvolle Monate ertragen. Viele Gebäude, teilweise auch ganze Gehöfte wie die Ausbauten, sind heute aus dem Ortsbild verschwunden.

                                            Kirche und Friedhof im Jahre 2003 

Die Renovierungsarbeiten auf dem Friedhof 2004

Die Stelle des Gedenkens auf dem Friedhof Nelep

Fotosammlung Nelep

Nelep 1905

876,5 ha Gesamtfläche, 14 bewohnte Wohnhäuser, 1 andere Unterkunft, 31 Haushaltungen, 186 Einwohner, davon 96 männlich, 179 evangelisch, 7 katholisch ( polnisch sprechend )

Quelle: Gemeindelexikon 1905

Nelep auf der Schmettau`schen Karte ca 1780

Die Bauern von Nelep

1736

11 Bauern, 1 Halbbauer

Christian Ponath, Schulze

Jochim Brand jun., Adam Dorow,

4 Gutsbauern

 

1823

11 Bauern, 2 Halbbauern

Ponath, Lehnschulze

Dorow,

Neubauer Ponath

Schulz,

Braesch, Halbbauer Becker, Halbbauer

 

1884

6 Bauern, 8 Halbbauern, 9 Eigentümer

Ponath, Schulze

Ponath, Hardt, Dorow,

 

siehe auch

Auszüge aus dem Schriftverkehr der Synode Schivelbein 1821 - 1921

Schreiben vom

13.8.1825, 30.6.1834, 24.3.1838, 28.6.1842, 13.3.1845, 4.7.1867

Die Pastoren von Nelep

Quellen:

Der Kreis Belgard, Celle 1989

Johannes Hinz, Pommern Wegweiser, Würzburg 1992

Dr. A. Zechlin, Die historische Enwicklung der bäuerlich gutsherrlichen Verhältnisse, Baltische Studien 35, 

S. 33 - 98

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Dieter Schimmelpfennig