Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern

                                                 

Nemmin / Niemierzyno

mit Beustriner Mühle und Ziegelei

Straßendorf mit einem kleinen Gutshof und mehreren Bauernhöfen; liegt fünf Kilometer nordöstlich von Schivelbein südlich der Rega. Durch die nördliche Feldmark verläuft die Bahnstrecke Belgard – Schivelbein - Stettin. Innerhalb der Gemarkung lag zwischen Nemmin und Simmatzig auf der Flugstrecke Berlin - Königsberg ein Flugzeug-Notlandeplatz, der von den Russen und später von den Polen weiter ausgebaut wurde. Das dazugehörige Blinkfeuer im Ort war bei klarem Wetter weithin zu sehen.

Aus der Geschichte:

Abseits des Ortes im Moor an der Rega Reste eines Burgwalles aus dem neunten bis elften Jahrhundert. Ein Teil des Dorfes war Eigentum der Stadt Schivelbein seit 1378, als Hans von Wedel ihn an den Rat der Stadt verkaufte. Im Jahre 1469 war die Kuh eines Nemminer Bauern Anlass für die Fehde zwischen Belgard und Schivelbein mit der Schlacht auf der Langen'schen Heide. 1679 lagen als Folge des Dreißigjährigen Krieges von zwölf Nemminer Bauernhöfen drei wüst. Im Siebenjährigen Krieg wurde das Dorf vom russischen Korps Tottleben zur Hälfte niedergebrannt. 1809 wird das Kämmereivorwerk Nemmin an den Sohn des Erbschulzen Ponath in Nelep verpachtet. Rezeß im städtischen Gut 1844 beendet. 1861: 160 Einwohner, davon vierzehn mit Weberei beschäftigt. 1927 Anschluss an Chaussee Schivelbein - Nelep modernisiert.

Die an der Rega gelegene Beustriner Mühle gehörte trotz ihres Namens zur Gemeinde Nemmin. Sie hatte zwei Mahlgänge und war seit 1831 im Besitz der Familie Ponath. 1370 hatte Markgraf Otto sie der Gattin des Hans von Wedel zum Leibgedinge verschrieben.

Einwohnerzahlen:

1925: 251 Einwohner in 30 Häusern mit 50 Haushaltungen 

1939: 239 Einwohner in 54 Haushaltungen

Erwähnenswert ist der Schatzfund von Nemmin aus dem Jahre 1933. Auf dem Acker von Frau Benz am Sappenberge wurden 401 pommersche und nicht-pommersche Münzen aus dem 16. Jahrhundert, davon siebzehn Taler, drei halbe Taler, 325 Doppelschillinge und 55 Groschen gefunden.

Das Gut mit einer Betriebsfläche von 175 Hektar gehörte Müller, früher Benz. Daneben existierten noch elf landwirtschaftliche Betriebe mit jeweils mehr als zwanzig Hektar Fläche. Die Wiesen in der Rega-Niederung boten gute Voraussetzungen für eine verstärkte Rindviehhaltung.

Die Flurnamen in der Reihenfolge ihrer geschichtlichen Überlieferung: Die Querkaveln, Die Keilkaveln, Die langen Steinkaveln, Das lange Bruch, Die Belaff'-schen Berge (Belaffen-Moor), Bregen-Berg, Fuchsberg, Saggenberg, Ellerbruch, Klier (Buschwald), Kiwurk (Wiese, im Halbkreis von der Rega umflossen), Das Rahm, Riegenmoor, Die Kumtschen, Der schwarze Berg, Die Klink-Kaveln, Wuttstroh, Mühlenborken, Mühlenmoor und Auf den Sannen.

Außer der Gastwirtschaft Radüge mit kleinem Saal, Lebensmittel- und Kleinwarenhandel waren keine weiteren Handelsbetriebe am Ort ansässig. Als Gewerbebetriebe sind Ziegelei, Kiesgrube und Beustriner Mühle zu nennen. Das Amt des Bürgermeisters hatte bis Kriegsende Alfred Balks, zuvor Willi Radtke, inne. Lehrer Karl Frömming betreute die einklassige Volksschule, kirchliche Angelegenheiten wurden von Schivelbein aus erledigt. Der Sportverein widmete sich dem Fußballspiel.

Einwohnerverzeichnis mit Ortsplan und Plan der Umgebung

Nachdem die Kämpfe mit deutschen Soldaten abgeklungen waren, wurde Nemmin am 6. März 1945 von polnischen Truppen besetzt. Die Vertreibung begann im Juli 1945 und war im März 1946 beendet. Heute sind viele Gebäude im Ort einschließlich Friedhof verschwunden.

Nemmin auf der von Schmettau`schen Karte von 1780

Nachnamenregister der Schivelbeiner Kirchenbücher

Die Bauern von Nemmin

1844

8 Bauern, 1 Kossät

Brand, Graunke,

1884

7 Bauern, 1 Halbbauer, 3 Eigentümer

Heller, Zimdahl,

 

siehe auch

Auszüge aus dem Schriftverkehr der Synode Schivelbein 1821 - 1921

Schreiben vom 18.12.1871

Quellen:

Der Kreis Belgard, Celle 1989

Johannes Hinz, Pommern Wegweiser, Würzburg 1992

Dr. A. Zechlin, Die historische Enwicklung der bäuerlich gutsherrlichen Verhältnisse, Baltische Studien 35, 

S. 33 - 98

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Dieter Schimmelpfennig