Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern

                                                 

Rarfin / Rarwino

ist ein Guts- und Bauerndorf im Nordwestzipfel des Landkreises Belgard. Das Gemeindegebiet wird begrenzt durch den Flusslauf des »Krummen Wassers«, der an dieser Stelle mit der Kreisgrenze Kolberg - Körlin identisch ist. Die Entfernung zur Kreisstadt Belgard beträgt über Sager vierzehn Kilometer und über Podewils siebzehn Kilometer.

Rarfin ist ein uraltes Podewils-Lehen und wird im Jahre 1491 noch Rarnin, teilweise auch Rarwin genannt. Die Ortsbezeichnung Rarfin findet sich erstmals im Jahre 1628. Im Rahmen einer lehnsherrlichen Einwilligung von Georg Heinrich von Podewils wird Rarfin am 28. Dezember 1729 an Generalmajor Hans-Friedrich von Platen verkauft. Es verblieb nach der brüderlichen Teilung und Vererbung bis 1851 im Eigentum dieser Familie. Neuer Besitzer wurde Albert Guse, in dessen Familie das Gut bis zu seinem letzten Eigentümer Hans Guse im Jahre 1945 weitervererbt wurde. Der Bau des Kirchengebäudes ist für das Jahr 1735 verzeichnet.

                          Das Gutshaus vor 1945

                                              und danach   

Die Ländereien in der Rarfiner Feldmark sind wie überall nördlich des Baltisch-Pommerschen Landrückens von den Gletschern der letzten Eiszeit geprägt. Lehm-, Kies- und Sandschichten mit beträchtlichen Bonitätsunterschieden wechseln sich ab. In Rarfin wurde überwiegend mittelschwerer Boden mit dementsprechender Ertragslage bearbeitet. Überaus ertragreich waren dagegen die bekannten Rieselwiesen sowie die Wiesen in der Niederung des »Krummen Wassers«.

                                        Gruß von den Rarfiner Schweizern Ostern 1928             

Die Flurnamen in der mündlich überlieferten Reihenfolge:

Äcker: Wuttstrump, fin Maua, breir Steia, de holle Grün, de Ihlenkamp, de Zipotten, Tweiloop (Zusammenfluss) und Kreuzborn.

Berge: Kellerberg, Glasberg, Höllenberg, Kawelsberg, Galgenberg und Pottberg.

Gewässer: Kalkkuhlen, Kessias, Ihlengraben, Fichtberg, Rappenwiese, Rohrbeck, Polittenbrink, Mühlenbruch, Borgholt (Burgwald; alte Wendenburg), Wiredamm, Gaussoll, Zeels, Himkemaur und Revkenberg.

Das »Krumme Wasser«, ein Fluss mit sehr gewundenem Lauf und eiskaltem Wasser, diente im Sommer als Badestelle. An manchen Stellen konnte man sogar schwimmen. Auch wurde er gerne von Jugendlichen für die »Schifffahrt« mit Backtrögen benutzt. Seine Entstehung geht nach einer Sage auf einen Streit des Teufels mit seiner Großmutter zurück. In seinem Zorn verbannte der Teufel die Großmutter nach Schleps bei Stolzenberg. Als sie von hier aus einmal den Ölmarkt in Körlin besuchen wollte, und der Teufel sie selbst hinfahren sollte, ärgerte er sich darüber und karrte nicht geradeaus, sondern im Zickzack. Bald fiel ein starker Regen, die tiefen Karrenspuren füllten sich mit Wasser, und so entstand das »Krumme Wasser«. Zu erwähnen ist noch, daß in Rarfin in früheren Jahren ein Bernstein mit einer Größe von 48 x 20 x 20 Zentimeter und einem Gewicht von 9,7 Kilogramm gefunden wurde.

Arbeiterhaus Bauer Damitz        Arbeiterhaus auf dem Gut Guse 

Rarfin war weit über die Grenzen Pommerns hinaus bekannt durch die älteste und erfolgreichste »Rarfiner Herdbuchherde« von Hans Guse. Verstärkter Kartoffelanbau führte zum Bau der ersten Schlempeflockenfabrik Deutschlands auf dem Gut. Die Zuckerrüben wurden mit der Kleinbahn Rarfin - Belgard zur Zuckerfabrik nach Klützkow transportiert.

                                      Die ehemalige Schule 1996     

Eigene Handwerksbetriebe wurden von Stellmacher Alfred Leß und Schuster Franz Voigt geführt; die sonst noch erforderlichen Handwerker waren unmittelbar im Gutsbetrieb tätig. Der in der Bauernforst von Podewils entspringende idyllische Mühlenbach trieb mit seinem kristallklaren Wasser die Gutsmühle an.

Das Pfarrhaus 1996

Im Mittelpunkt des Ortes stand die Gastwirtschaft mit Lebensmittelhandlung von Paul Seele. Hier traf man sich zu den Veranstaltungen der ortsansässigen Vereine und der Dorfgemeinschaft. Zahlreiche dieser Veranstaltungen verlagerten sich später in das Mitte der dreißiger Jahre errichtete Dorfgemeinschaftshaus mit einem großen Saal. Nicht nur Kriegerverein, Sportverein und Freiwillige Feuerwehr, sondern auch die Jugend aus den umliegenden Orten, insbesondere aus Podewils, nahmen diese Einrichtung, vor allem bei Tanzveranstaltungen, gerne in Anspruch. Einen großen Besucherandrang verzeichnete das alljährliche Sommerfest des Kriegervereins und des Sportvereins auf dem in freier Natur unweit vom Ort gelegenen Festplatz. Das Bürgermeisteramt versah über viele Jahre Otto Ehlert, er war zugleich Standesbeamter und Ortsbauernführer. Die zweiklassige Volksschule wurde vom Lehrer Wilhelm Eichstädt, zugleich Amtsvorsteher, geleitet. Als zweite Lehrkraft waren ab 1930 Otto Räuber, Hans Frahmke, Ernst Lüdtke, Juhnke, Münchow, Ruth Wendt und zuletzt Gertrud Schröder aus Bad Polzin tätig. Gemeindeschwester war Margarethe Wittmann aus Podewils. Zu Arztbesuchen mussten die Dorfbewohner ins zehn Kilometer entfernte Stolzenberg fahren. Die zuständige Poststation befand sich in Podewils. Letzter Pastor in Rarfin war Günter Henning.

Die Kirche vor 1945       und 1996 

Im Jahre 1942 wurde die Rarfiner Kirchenglocke von 1576 zum Einschmelzen für Kriegszwecke nach Hamburg transportiert. Sie entging jedoch ihrem Schicksal und läutet heute wieder in Leichlingen im Rheinland. Eine Tonbandaufnahme ihres Geläuts erklang zur großen Freude der anwesenden Rarfiner Landsleute beim Heimatkreistreffen 1987 in Celle.

                                                       Die Kirche von innen        

Rarfin wurde am 3. März 1945 von russischen Panzerkräften aus Richtung Sager besetzt. Hoffnungen auf einen nun einkehrenden Frieden erfüllten sich nicht, Not und Leid brachen im Ort aus. Ein besonderer Dank gilt der Pastorengattin Erika Henning, die sich in dieser schweren Zeit uneigennützig um die gesundheitlichen und sozialen Belange der Dorfbevölkerung verdient gemacht hat. Mitte März 1945 wurden viele Männer, auch Jugendliche, verschleppt; sie kehrten nicht wieder zurück. Die Vertreibung begann im Dezember 1945, sie dauerte bis 1947.

Nach dem Abbruch der historischen Wassermühle, des Schäferhofes und vieler Bauernhöfe ist der Ort heute kaum noch wiederzuerkennen. Ein hoher Wohnblock auf dem Hof von Emil Trapp verschandelt das Ortsbild. Vom Gutshaus ist das erste Stockwerk entfernt worden. Das Gut selbst wird voll bewirtschaftet, die verbliebenen Gebäude werden gepflegt.

Quelle:  

Der Kreis Belgard, S. 442 - 444

Fotos mit freundlicher Genehmigung vom Mrs. Lois Vesely

Rarfin 1867

Zum Ort gehört das Vorwerk Friedrichswerk, das allerdings von den Einheimischen Bruchschäferei genannt wurde.

Die Schule in Rarfin besuchen 55 Kinder. Der Lehrer erhält ein Gehalt von 120 Taler.

Über Rarfin heißt es 1865:

365 Einwohner, davon 11 auf dem Vorwerk, zusammen 55 Familien

1 herrschaftliches Schloß, 1 Predigerhaus, 1 Küsterschulhaus, 29 andere Wohnhäuser, 50 Wirtschaftsgebäude, 1 Wassermühle und 1 Fabrikgebäude.

Auf dem Vorwerk 1 Wohnhaus, nebst Stall und Scheune

1 Zuchthengst, 11 Zuchtstuten, 9 Fohlen, 55 Arbeitspferde, 5 Luxuspferde, 3 Bullen, 107 Kühe, 68 Jungvieh, 27 Ochsen, 1970 Schafe auf dem Gut, 260 Schafe bei den Bauern, 106 Schweine, 3 Ziegen und 35 Bienenstöcke

Quelle: Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

Namensregister Standesamt Rarfin 1874 - 1887

Die Kelche aus der Rarfiner Kirche

Rarfiner Originale

Kniestrümpfe bei zehn Grad unter Null

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Dieter Schimmelpfennig