Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Retzin / Rzecino

Das ehemalige Allodial-Rittergut (Teile A und B) und Kirchdorf Retzin mit dem dazugehörigen Vorwerk Granzin liegt achtzehn Kilometer südlich von Belgard auf einer Anhöhe an einem Bach, der in der Nähe von Groß Rambin in die Müglitz fließt. Die in eine Moränenlandschaft mit vielen Äckern, Wiesen und Waldstreifen eingebettete Ortschaft ist ein T-förmiges Reihendorf. Die Feldmark wird überwiegend von guten und mittelschweren Böden geprägt. Neben den üblichen Ackerfrüchten wurden auch Weizen und Rüben angebaut. Die bekannten Flurnamen lauteten: Bökenberg, Blötsch, Brusenecke, Dikt, Ferrischonung, llenteich, Ochsenberg, Protzel (Sumpf), Schafwäsche. Laut Volkszählung von 1939 lebten in der Gemeinde 452 Einwohner in 106 Haushaltungen. Die Einwohnerzahl ist damit seit dem 1. Januar 1865 nahezu konstant geblieben, als 458 Einwohner gezählt wurden.

                                                                                                Gruß aus Retzin 1912  

In der Hufenmatrikel vom 26. Juni 1628 wurde Retzin nebst Schäferei Granzin als Lehen des Manteuffelschen Geschlechtes genannt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts zerfiel das frühere Rittergut in zwei Teile. Ein Teil, 1702 noch Lehngut des Bernd von Glasenapp, wechselte durch Vergleiche, Verkäufe und Vererbungen mehrmals den Besitzer. Bekannt sind die Namen der Eigentümer Ernst Bogislaw von Wedell, Major Caspar Erdmann von Sydow und Verwalter Trapp. Um 1765 wird das Gut von Leutnant Henning Christian von Münchow teils geerbt, teils gekauft. Der zweite Teil von Retzin A, vormals ein Manteuffel-Lehen und inzwischen ein Wolden-Lehen geworden, ging an verschiedene Familien, unter anderem von Sydow, von Ramel, von Wolde, Schiebel, Haucke und Schwarz, über. Durch den Kauf auch dieses Teils kam Leutnant Henning Christian von Münchow souverän in den Besitz von ganz Retzin A. Sein Sohn und Erbe Ernst Friedrich Leopold schloss 1804 noch Granzin dem Besitztum an, das damals samt fünf Höfen in Retzin und zwei Höfen in Lutzig den Ortsteil Retzin B bildete. Auch dieser Ortsteil ging Ende des 17. Jahrhunderts von der Familie von Manteuffel auf die von Glasenapps über. Unter den danach folgenden Besitzern tauchten von 1716 bis 1786 die Namen von Glasenapp, von Zitzewitz, von Lenz, von Weyher und von Podewils auf.

Als Retzin B 1786 veräußert wurde und das Geschlecht von Münchow Granzin kaufte, wurden die sieben Bauernhöfe in einem mühsamen Verfahren am 14. Januar 1792 von Christoph Radüge käuflich erworben. Retzin B hat noch vor 1847 durch Misswirtschaft die Eigenschaft eines Rittergutes teilweise eingebüßt. Von Retzin A mit Granzin wusste Berghaus zu berichten, daß es 1822 zu einem Allodium erklärt und 1855 von Carl Julius Voigt gekauft wurde. Letzterer hat es für 100000 Taler an Wilhelm Friedrich Camp weiterveräußert. Bei Kriegsende 1945 wurde Retzin vom Rittergutsbesitzer Erich Malue, dem Gutsbetrieb Karl Zitzke, dem Großbetrieb Hans Torp und neun weiteren landwirtschaftlichen Betrieben mit zehn bis vierzig Hektar Nutzfläche bewirtschaftet.

Die Schule

Die zum Kirchspiel Arnhausen gehörende Filialkirche in Retzin, ein einfacher Fachwerkbau ohne Turm, wurde bereits im Bericht Arnhausen erwähnt. Nennenswert waren die zwei alten Glocken von 1594 und 1617, wobei die erste mit ihrer Umschrift »Eggerth Manduvel . . .« auf den damaligen Besitzer hinweist. Zuletzt hat Pastor Egbert Zieger aus Arnhausen die Retziner Tochtergemeinde betreut. Retzin hafte eine Dorfschule, wo 1928 68 Kinder in zwei Klassenräumen vom ersten Lehrer Ernst Braun und dem zweiten Lehrer Fritz Drawer unterrichtet wurden. Bürgermeister Franz Ohlow, Amtsvorsteher Karl Grieß und sein Vertreter Friedrich Ohlow aus Zwirnitz lenkten die Gemeinde- bzw. Amtsgeschicke. Dabei wurden sie tatkräftig unterstützt vom Ortsbauernführer Ewald Schmidt, dem Polizeibeamten Miels aus Groß Rambin sowie dem Standesbeamten Walter Frank und seinem Vertreter Hans Ulrich Pretzell aus Arnhausen. Das dörfliche Handwerk war durch Schmiedemeister Franz Dorow, Schneidermeisterin Frau Ohlow und Herbert Leppin als Stellmachermeister und Karosseriebauer vertreten. Die Feuerwehr unter Herbert Leppins Kommando mobilisierte bei Bedarf bis zu fünfzehn Männer. Einige Bauern waren in der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Groß Rambin organisiert. Die Familien Deckert und Albert Papke betrieben je einen Gemischtwarenladen. Willi Schmidt war Inhaber einer Gastwirtschaft. Nach Ausbruch des Krieges 1939 hat man in Retzin auf den Gütern Malue und Zitzke sowie beim Bauern Nähring Kriegsgefangenenlager für Franzosen, Weißrussen und Russen eingerichtet. Nach schweren Bombenangriffen auf das Rheinland und Hamburg wurden von der Gemeinde Retzin Obdachlose aus diesen Gebieten aufgenommen.

Am 4. März 1945 marschierten die Russen ein. Alle Männer einschließlich der Ausländer wurden im Backhaus von Ewald Schmidt zusammengepfercht und später verschleppt. Einige Bewohner wurden gezwungen, ganze Viehherden mit Ungewissem Ziel fortzutreiben, andere in einem Lager bei Piske in Lutzig eingekerkert. Die Mehrzahl der Einwohner blieb jedoch im Dorf. Am 12. Dezember 1945 begann die »organisierte Vertreibung«, die im Laufe des Jahres 1946 abgeschlossen wurde. Nur noch wenige Bauern beackern in eigener Regie ihre Ländereien. Im Wohnhaus der Familie Leppin ist die Dorfschule eingerichtet worden. Die nunmehr den polnischen Katholiken dienende Kirche macht einen guten Eindruck.

Quelle: Der Kreis Belgard, S. 449 - 451

Retzin 1655

Besitzer: Vettern Asmus und Gerd v. Manteuffel, Döring Jakob v. Krockow ( 1654 von Asmus v. Manteuffel gekauft )

Einwohner: Jochim Paffelke, 50 Jahre

Jochim Wallow, 48

Carsten Hitze, 34 Jahre

Michel Litze

Jochim Schmied, 40 Jahre

Franz Schmied, 37 Jahre

Carsten Venzke, Bauern

Jochim Voltzke, 53 Jahre, Kossät

Marten Heller, Verwalter

Die Höfe von

Peter Gerdt, Carsten Schmiedt dem Älteren, Carsten Schmiedt dem Jüngeren, Jochim Wallow,

Carsten Paffelke, Jacob Mantzke, Jochim Hantze ( oder Jantze ), Jacob Gerdt, Lorenz Bielke,

Michel Jane, Bauern

Mewes Neje, Kossät, sind wüst

Retzin 1666

Besitzer Hauptmann Jochim v. Glasenapp, Kapitän Schoitzow

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis von Hinterpommern, S. 128 - 129

Retzin 1867

Südwestlich vom Rittergut und Kirchdorf Retzin A liegt das früher zum Rittergut Retzin B gehörende Vorwerk Granzin als selbständiges Gut. Durch die Parzellierung von Retzin B sind zusätzlich 2 Abbauten entstanden. Sie tragen die Namen Abbau Retzin B und Abbau Retzin C.

Einwohner, Häuser und Viehbestand nach der Zählung vom 1. Januar 1865:

  Einwohner Wohnhäuser Wirtschaftsgebäude Pferde Rinder Schafe Schweine  Ziegen Bienenstöcke
Retzin A und Dorf 226 18 23 43 85 1934 79 10 7
Granzin 87 3 6 13 24 716 19   13
Retzin B 80 7 10 17 25 218 37 2  
Abbau Retzin B 34 2 2 8 12 256 6    
Abbau Retzin C 31 4 6 8 19 330 21 2  

 Quelle: Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

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Dieter Schimmelpfennig