Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern

                                                 

Rützenhagen / Rusinowo

mit Bratenberg, Vorderfeld, Hinterfeld, Bullenberg, Fülgen, Oberteich, Schönfeld und Jagdhaus Schönfeld

Langgestrecktes, großes Bauerndorf mit einem Forstgut, zwölf Kilometer westlich von Schivelbein an der Landstraße Schivelbein - Stargordt. Im Westen bildet die Molstow zugleich die Grenze der Gemeinde und die zum Nachbarkreis Regenwalde. Sie entspringt etwa 500 Meter vom Glietziger See entfernt und wendet sich nach Norden, um zum größten Nebenfluss der Rega anzuwachsen.

Gruß aus Rützenhagen

Bahnstation: Stargordt und Schivelbein 

Poststation: Rützenhagen über Schivelbein 

Meßtischblatt: Petershagen 2159 und Rützenhagen 2259

Aus der Geschichte:

Im Nordwestzipfel der Gemarkung am linken Ufer der Molstow Reste eines Burgwalles aus dem neunten bis elften Jahrhundert. Dort soll eine Ritterburg zum Schütze gegen die Pommern gestanden haben. 1493: Jacobus Koltzeke als Kleriker in der Pfarrkirche zu Rützenhagen. 1500 belehnen Kurfürst Joachim und Markgraf Albrecht die Gevattern Rützen mit zehn Hufen. 1726 brannte das halbe Dorf mit Kirche, Pfarrhaus und Schule ab. Dabei wurden sämtliche Kirchenakten und geschichtlichen Nachrichten des Dorfes vernichtet. 1760: Tagebuch des Pastors Steinbrück in Rützenhagen über die Plünderungen der russischen Armee im Kreise Schivelbein (Siebenjähriger Krieg). 1768 Einweihung einer neuen Kirche. Vor dem Edikt von 1811: neun Bauern und vier Halbbauern. Rezeß 1819. Gutsherr (seit 1785) Siegmund von Brockhausen. Acht Bauern, vier Halbbauern erhalten das volle Eigentum, zusammen 2208 Morgen, gegen jährliche Rente und Hilfsdienste. Rente 1851 abgeschafft. Weitere Gutsbesitzer: 1832 Adolf von Brockhausen, 1858 Karl von Dönhoff. 1843 = 371 Einwohner, 1862 = 644 Einwohner. 1852 Neubau einer Kirche inmitten des Friedhofes. 1856 Legat des Kammerherrn von Brockhausen von 1000 Talern mit Zinsen für Arme und Kranke in Rützenhagen. Seit 1879 Postagentur mit privaten Fuhrwerken nach Schivelbein. 1882 eine Ziegelei, zweiklassige Volksschule und Telegrafenstation. 1884: elf Bauern und 22 Eigentümer. 1901 Bau der Chaussee nach Schivelbein. 1939: Ländliche Spar- und Darlehenskasse Rützenhagen und Elektrizitäts- und Maschinen-Genossenschaft Rützenhagen-Dorf.

              Noch ein Gruß aus Rützenhagen                  

Einwohnerzahlen:

1925: 586 Einwohner in 78 Wohnhäusern mit 133 Haushaltungen 

1939: 670 Einwohner in 170 Haushaltungen

Die seit 1803 in urkundlicher Reihenfolge überlieferten Flurnamen: Kleines Dannen-Moor, Großer und Kleiner Bullenberg, Seegrund, Mühlenkämpe, Eichberg, Großer Teich, Burgwall, Techerinsche Fichten, Bratenberg, Kolonushof, Fülgen, Vorder- und Hinterfeld, Oberteich, Rade-Kuhle, Zillmanns-Horst, Lütke-Wiesen, Kannenkuhle-Wiese, Fierort, Kringelberg, Brodberg und Pumpenmühle.

                                                                   Die Kirche                   

Der leichte bis mittelschwere Boden wurde von fünfzehn Landwirten mit jeweils über zwanzig Hektar Betriebsgröße und dem Forstgut der Gräfin Eugenie von Wallwitz, geborene Gräfin von Dönhoff bewirtschaftet.

                         Die Kirche 1997           

Handwerk und Handel waren mit folgenden Betrieben ansässig: Bäckerei Grunewald, Schmiede Wachholz, Schuhmacher Wilhelm Naatz, Lichtfuß und Schumacher, Stellmacher Ramthun, Tischlerei Felix Boeck, Elektro- und Taxibetrieb Gerhard Wachholz, Gärtnerei Stremlow und das Gasthaus mit Saal und Kolonialwarenhandel von Anna Klünder und Olga Ladwig. Der Ein- und Verkaufsverein Schivelbein unterhielt am Ort eine Zweigstelle (Leiter: Hans Bohn). Die Raiffeisenbank und Spar- und Darlehenskasse wurde von Otto Popp bzw. Paul Voß geleitet. Für die Molkereinebenstelle Schivelbein war Herr Hensel zuständig.

            Die Schule      

Die letzten Amtsträger im öffentlichen Bereich waren Bürgermeister Heinrich Jöres, Amtsvorsteher Franz Schuster, Wachtmeister Perschke, Posthalter Bölter, Briefträger Spoors, Ortsbauernführer Hans Buenhoff, Pastor Dr. Lüdke sowie die Lehrer Hans Jahnke und Kurt Köbsel. Das Vereinsleben wurde vom Sportverein mit seinem Vorsitzenden Bölter, dem Gesangverein, Kriegerverein und der Freiwilligen Feuerwehr gestaltet. Das Arbeitsmaiden-Lager wurde zuletzt von Anneliese Kruschinski geleitet.

                                        Schüler und Lehrer 1938                  

   Molkerei, Schule und Gasthof Ladwig

Am 28. September 1880 wurde in Rützenhagen der pommersche Heimatschriftsteller Richard Bartz geboren. Er war seiner Heimat bis zu seinem Tode am 20. November 1955 eng verbunden und widmete ihr folgendes Gedicht:

Ich möchte die Pappeln ragen seh'n, darunter der Heimat Häuser steh'n! Dort wandeln die Träume am Gartenhang, dort rauschen die Bäume mit heimlichem Klang, und wo der Birnbaum, der alte, steht, blüh'n Lilien und Rosen auf jedem Beet. Die Lerchen singen in blauen Höh'n:

Ich möchte die Heimat wiederseh'n!

Rützenhagen wurde am 3. März 1945 um 9.00 Uhr von der russischen Armee besetzt. Einige Gebäude wurden dabei zerstört. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verfielen zahlreiche weitere Häuser.

Rützenhagen 1905

1359,5 ha Gesamtfläche, 22 bewohnte Wohnhäuser, 40 Haushalte, 255 Einwohner, davon 128 männlich, 254 evangelisch, 1 katholisch

Quelle: Gemeindelexikon 1905

Rützenhagen auf der von Schmettau`schen Karte von 1780

Die Bauern von Rützenhagen

1819

8 Bauern

Grunke, Grunke, Schuhmacher, Polzien, Popp, Polzien, Neumark, Hopp

4 Halbbauern

Grunke, Schliewe, Nickel, Grunke

1884

11 Bauern, 22 Eigentümer

Popp, Baller, Nickel, Schuhmacher, Götzke, Barz, Hoppe, Popp, Popp, Voigt, Kutz

 Die Mitglieder des Gemeinde-Kirchenrates in Rützenhagen 1876, 1888, 1891

siehe auch

Auszüge aus dem Schriftverkehr der Synode Schivelbein 1821 - 1921

Schreiben vom

13.8.1825, 30.6.1834, 24.3.1838, 28.6.1842, 13.3.1845, 25.5.1852, 2.7.1853, 15.11.1854, 4.7.1867, 16.6.1872, 12.2.1873, 1.7.1878

Die Pastoren von Rützenhagen

Quellen:

Der Kreis Belgard, Celle 1989

Johannes Hinz, Pommern Wegweiser, Würzburg 1992

Dr. A. Zechlin, Die historische Enwicklung der bäuerlich gutsherrlichen Verhältnisse, Baltische Studien 35, 

S. 33 - 98

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Dieter Schimmelpfennig