Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Schlenzig / Slowiensko

mit Gut Schwarzsee, Vierhof und Forsthaus Ulrichshof

Bauerndorf mit großem Rittergut in der Feldmark, vierzehn Kilometer nordwestlich von Schivelbein, im Norden den Gemeinden Petershagen, Moitzelfitz und Stolzenberg benachbart, die im Kreis Kolberg-Körlin lagen. Gut Vierhof liegt an einem schmalen, langgestreckten See, der vom Fierbach gespeist wird und über den Hammerbach nach Stolzenberg in das Krumme Wasser, einen Nebenfluss der Persante, entwässert.

Bahnstation: Stolzenberg

Poststation: Schlenzig über Schivelbein

Meßtischblatt: Schivelbein 2159

Aus der Geschichte:

Siedlungsspuren aus dem neunten und elften Jahrhundert. 1499 leisten die Schämen zu Schlenzig Kurfürst Joachim den Lehnseid, 1565 leisten die Blanckenburg zu Schlenzig Rossdienste im Kreise Schivelbein. Landrat des Kreises Schivelbein ist Heinrich von Blanckenburg auf Schlenzig. Im Siebenjährigen Krieg leidet das Dorf schwer unter dem Durchzug preußischer und russischer Truppen. Rezeß 1819. Gutsherr (seit 1816) Friedrich von Podewils. Drei Bauern und vier Halbbauern erhalten die Hälfte der Ländereien. Hilfsdienste werden geleistet. 1856 Besitzer von Kutzschenbach. 1843 = 133 Einwohner. Es gab eine Brennerei, eine Ziegelei und eine Schmiede. 1861 befand sich in Schlenzig ein Eisenhammer, in dem 1200 Zentner Eisen hergestellt wurden. 1884: drei Bauern, vier Halbbauern und fünf Eigentümer.

                                                                    Schwarzsee

Einwohnerzahlen:

1925: 405 Einwohner in 44 Wohnhäusern mit 81 Haushaltungen 

1939: 310 Einwohner in 72 Haushaltungen

Die nachfolgenden Flurnamen sind mündlich überliefert worden: Stadtberg, Johannishof (Scheune), Pütt (Brunnen bei Johannishof), Krähenfichten, Birkheide, Dreiangel, Ziegeleisoll, Lehmberg, Seegraben, Rieselteich, Rieselberg, Schwarzer See, Zigeunerteich, Schneidemühle, Schuhsteig, Vierbachbrücke, Eisenhammer (Vierhof), Hammerbach, Ulrichshof, Der Rauhe Berg, Drei-Ruten-Berg, Krugberg, Pastestieg (Pastoren-Steig), Blankes Moor, Kamp, Schmiedewiese, Russenstraße, Piggebach, Pastesoll, Feste Burg (= Steinhaufen und Buschwerk), Hinterplan, Iseberg-Feld (Eisenberg) und Hohebruchs-Kaveln.

Die Kirche 1987

Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung des leichten bis mittelschweren Bodens einschließlich größerer Waldflächen oblag dem Gutsbetrieb von Paul Gottschalk mit seinem großen Herrenhaus, den Platzer'schen Erben im Ortsteil Schwarzsee, sieben Landwirten mit einer Betriebsgröße von über zwanzig Hektar sowie einigen Kleinbetrieben. Es wurde eine intensive Viehhaltung, unter anderem mit einer 800köpfigen Schafherde, betrieben.

Schlenzig wurde weit über Pommerns Grenzen hinaus durch die Orchideenzucht des Gutsbesitzers Paul Gottschalk bekannt. Anlässlich des Besuchs des russischen Außenministers Molotow zum Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes im Jahre 1939 im Schloß Bellevue in Berlin, aber auch bei anderen Staats- und Gala-Empfängen, wurden die Empfangsräume mit Orchideen aus Schlenzig ausgeschmückt. Während der frühere Eigentümer Gottschalk seine Orchideenzucht nach dem Kriege in Seboldshausen / Harz weiterbetrieb, hatten die Polen damit keinen Erfolg und unterstellten die Gewächshäuser einem Gartenbaubetrieb. Zum Gutsbetrieb gehörten eine Brennerei und ein Gasthof, der an die Familie Klokow verpachtet war. Bürgermeister Franz Zimdahl, Ortsbauernführer Wilhelm Trapp und Lehrer Veddy waren die letzten Amtsträger in der Gemeinde. Das drei Kilometer nordöstlich von Schlenzig gelegene Gut Vierhof betrieb eine eigene Wassermühle.

Nach leichten Kämpfen marschierten am 3. März 1945 russische Truppen in Schlenzig ein. Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden von Polen aus Galizien und später aus der Gegend von Lublin übernommen. Flucht und Vertreibung begannen vereinzelt bereits im Herbst 1945. Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung mußte jedoch noch bis zum Herbst 1947 ausharren und in der Landwirtschaft arbeiten.

Schlenzig 1905

878,5 ha Gesamtfläche, 13 bewohnte Wohnhäuser, 1 andere Unterkunft, 27 Haushalte, 156 Einwohner, davon 77 männlich, 156 evangelisch

Quelle: Gemeindelexikon 1905

Schlenzig auf der von Schmettau`schen Karte von 1780

Die Bauern von Schlenzig

1819

3 Bauern, 1 Kossät

Rasch, Bugs, Bugs

4 Halbbauern

Drews, Rehbein, Rehbein, Rasch

1884

Stark, Malüge, Zimmdahl, Jahnke, Bolduan, Drewes, Raasch

Quellen:

Der Kreis Belgard, Celle 1989

Johannes Hinz, Pommern Wegweiser, Würzburg 1992

Dr. A. Zechlin, Die historische Enwicklung der bäuerlich gutsherrlichen Verhältnisse, Baltische Studien 35, 

S. 33 - 98

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Dieter Schimmelpfennig