Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Schmenzin / Smecino

Schmenzin ist ein Alt-Kleistsches Lehn-Rittergut und Kirchdorf dreißig Kilometer südöstlich von Belgard. Durch die von Groß Tychow heranführende Kreisstraße und den Bahnhof Groß Tychow an der Eisenbahnlinie Neustettin - Belgard sowie die sieben Kilometer entfernten Haltestellen Bublitz und Pobanz an der Kleinbahnstrecke Bublitz - Belgard ist der Ort an das Verkehrsnetz angeschlossen. Die östliche Gemarkungsgrenze von Schmenzin ist identisch mit der Kreisgrenze von Köslin, während sich die südliche Gemarkungsgrenze mit der Kreisgrenze von Neustettin deckt. Kartographisch ist die Gemeinde im Meßtischblatt Nr. 2064 ausgewiesen.

Gruß aus Schmenzin

Die Schmenziner Gemarkung bestand früher aus einem wüsten, undurchdringlichen Urwald, in dem sich ungewöhnlich viele Schlangen aufgehalten haben sollen. Durch Rodungen innerhalb dieses Urwaldes, deren genauer Beginn zeitlich nicht nachweisbar ist, entstanden nach und nach die für eine Besiedlung nötigen Freiflächen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts haben sich auf den gerodeten Flächen bereits einige Siedlerfamilien niedergelassen, unter anderem wird zuerst von einem Kossätenhof Reimer Kleist berichtet. Ausgang des 17. Jahrhunderts rodeten die damaligen lehnstragenden Familien Kleist und Versen weitere Waldflächen und besiedelten die so gewonnenen Ländereien mit tüchtigen, arbeitswilligen »Leuten«, die selbst wiederum zu weiteren Rodungen verpflichtet wurden. Diese Ansiedlungen wurden zunächst Feldgüter, später Buschpächtereien genannt, weil sie »im Busch« (das heißt im Walde) lagen und den Anbauern wahrscheinlich mit einer Reihe von Freijahren auf Zeitpacht überlassen wurden. Diese Buschpächtereien wurden auch als Vorwerke bezeichnet. Im Jahre 1733 wurde die Familie von Kleist alleiniger Eigentümer; sie setzte die Rodung und Urbarmachung des wilden Waldes bis zum Jahr 1866 fort. Jede Buschpächterei erhielt sogleich nach ihrer Anlage einen Namen, von denen die nachfolgenden in vier Epochen urkundlich nachweisbar sind:

Im Jahre 1780 bestanden:

Friedrichshof, Freienstein, Hammelschäferei, Kalkberg, Vierhof oder Kahlberg, Hoheberg, Hinterster Buschkaten, Großer und Kleiner Dammkaten, Lindenhof, Brahmkaten und Kosankenhof;

ab 1816 kamen hinzu:

Adrianshof, Beckhof, Büchhof, Groß- und Klein Eichhof, Grünhof, Kranichsbruch, Kröpelhof, Lübbenhof, Sauerhof, Steinkaten und Die Ziegelei;

1846 wurden zusätzlich ausgewiesen:

Klein Büchhof, Dammhof, Klein Freienstein und Hüttenhof;

bis 1866 kamen hinzu die Buschpächtereien:

Glashütte, Heinrichshof, Johannishof, Karlshof, Pophalskaten und Wangenberg.

Einschließlich dieser verstreut liegenden Wohnplätze wies der Gutsbezirk Schmenzin Mitte des 19. Jahrhunderts neben dem Herrenhaus noch ein Schulhaus, 46 Wohnhäuser, vier Fabrikgebäude, 82 Wirtschaftsgebäude und die stattliche Einwohnerzahl von 544 Personen auf. In den folgenden Jahrzehnten sind offensichtlich viele Buschpächtereien wieder verschwunden, denn 1932 werden neben dem Gut nur noch die zehn Wohnplätze Dammhof, Düppel, Geitberg, Großfreienstein, Hopfenberg, Hüttenhof, Lindenhof, Posthaus, Forsthaus Schmenzin, Wilhelmshöhe und Ziegelei genannt. Viele Bezeichnungen der früheren Pachtstellen finden sich jedoch in den überlieferten Flurbezeichnungen wieder:

Gemarkung Schmenzin:

Neuer Teich, Ententeich, Karpfenteich, Torfmoor, Buscheberg, Kurtenliethe, Judenkirchhof, Rietzdieck, Galgenberg, Zemken Moor, Grawensch Rieg, Heidschleuse, Frät Ort, Kiebitzmoor, Brautkammer, Külz, Fuchsberg, Hammerbach, Heidborn, Schneckenborn, Friedrichshöfer Fichten, Kurtenliethenberg, Sprickel-brock, Dennsberg, Sanndiek, Blinn Wallachsberg, Marschallstück und -graben, Bietscher, Bullermieß, Lang Woter, Stöcker Land, Tween Rieg, Schweinstall, Murrmoor, Flöjemoor und Pottdroht.

Gemarkung Wilhelmshöhe:

Groot Moor, Blocksberg, Gerlachsmoor, Pulverberg, Brommoor, Schwemken-wiese, Schwemke, Schnakenmoor, Kaliberg, Zielbrettsberg und -moor, Hirschgrund, Karuskanal, Voßberg, Manzen Moor, Hellgraben und Warme Ecke.

Die früher wie heute noch auf dem leichten Boden vorhandenen großen Waldgebiete wurden forstwirtschaftlich genutzt; zugleich boten sie mit ihrem artenreichen Wildbestand, wobei insbesondere Rot- und Schwarzwild stark vertreten waren, hervorragende Jagdbedingungen. Es war das Reich von Revierförster Willi Wetzel, geboren im Forsthaus Fundel bei Klein Dubberow und von Kindesbeinen an mit Forst und Jagd vertraut.

Das Gutshaus

Letzter Eigentümer von Schmenzin war Ewald von Kleist, Mitglied der »Bekennenden Kirche« und der Widerstandsbewegung gegen Hitler. Nach dem misslungenen Attentat am 20. Juli 1944 wurde auch Ewald von Kleist verhaftet und im April 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, in Berlin durch den Strang hingerichtet. 

Im Ort waren eine Brennerei und ein Sägewerk vorhanden. Außer den gutseigenen Handwerkern sind keine weiteren selbständigen Handwerksbetriebe überliefert. 1939 waren in der Gemeinde Schmenzin, die im Jahre 1928 aus den Gutsbezirken Schmenzin und Dimkuhlen gebildet wurde, 726 Einwohner in 169 Haushaltungen ansässig. Letzter Bürgermeister war Schneider, auch sein Vorgänger Meier-Henrich ist namentlich noch bekannt. Schmenzin war ein selbständiger Amts- und Standesamtsbezirk. Amtsvorsteher und zugleich Standesbeamter war Wilhelm Konrad, der wie sein Vertreter Paul Urban in Kowalk wohnte. Oberlandjäger Brunshagen nahm seine Amtsgeschäfte von Warnin aus wahr.

Im Jahre 1902 wurde in Hopfenberg zunächst ein Pfarrhaus erbaut. Fünf Jahre später errichtete man hier eine neue Kirche, die am 1. Advent des Jahres 1907 eingeweiht wurde. Die von der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder gebaute Orgel erklang erstmals im Jahr 1908. Die Volksschule wurde zuletzt von den Lehrern Walter Spiegel und Ewald Schulz geleitet.

Schmenzin wurde Anfang März 1945 kampflos von russischen Truppen besetzt. Ohne nähere Begründung wurden sofort einige Einwohner erschossen, unter ihnen Gutsinspektor Henschel mit Tochter, der Kutscher und der Hofmeister des Gutes. Bis zur Austreibung war die deutsche Bevölkerung den zur Genüge bekannten Leiden ausgesetzt. Heute ist Schmenzin ein polnischer Staatsbetrieb, die Verwaltung ist im ehemaligen Gutshaus untergebracht. Kirche und der Friedhof aus deutscher Zeit sind abgerissen und zerstört.

Quellen:

Der Kreis Belgard

Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

Schmenzin vor 1666

Besitzer: Reimar v. Kleist, Gebrüder Zabel und Matz v. Versen

Schmenzin 1666

Besitzer: Frau v. Weyher pfandw., Landrat Jochim v. Kleist, v. Hertzberg pfandw., Valentin v. Kleist, Claus v. Versen

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis von Hinterpommern, S. 133

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Dieter Schimmelpfennig