Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Standemin / Stanomino

Standemin, ein Rittergut mit eigener Pfarrkirche, liegt an der alten Heerstraße von Köslin über Belgard nach Stargard acht Kilometer südwestlich von Belgard am Nonnenbach, früher auch Stieperbach oder Tripel genannt. Der Ort wird nach vorliegenden Urkunden im Jahre 1591 im Zusammenhang mit der Gründung der Mutterkirche in Standemin erstmalig erwähnt. Das Patronat über die Mutterkirche mit der Tochtergemeinde in Klein Reichow besaßen die Wopersnows, die in Standemin bis 1774 ansässig waren. Nach dem Aussterben dieses Geschlechts wurde das Gut am 11. März 1782 an den Meistbietenden von Putkamer aus Brutzen verkauft. Bereits ab Sommer 1782 wechselten die Besitzer wieder mehrfach, bis Gustav Melms das Rittergut im Jahre 1847 kaufte. Bald danach tauchte dann der Name von Braunschweig auf, in deren Familie verblieb das Gut bis zu seinem letzten Eigentümer Vollrath von Braunschweig im Jahre 1945.

Das Gutshaus

Standemin bestand ursprünglich aus zwei Vorwerken, die das Gut bildeten, zwei Schäfereien, fünf Bauernhöfen, zwei Kossätenhöfen und einer Mühle am Nonnenbach. 1775 wurde nördlich vom Gut am Rande eines Torfbruchs ein weiteres Vorwerk angelegt, das man Moorbruch oder auch Charlottenhof nannte. Auch ein weiterer Kossätenhof, Mühlenberg genannt, entstand. Diese Ansiedlungen waren noch im Jahre 1846 vorhanden. 1860 wurden in Standemin 218 Einwohner, fünfzehn Wohn- und siebzehn Wirtschaftsgebäude gezählt. Im Jahr 1939 waren es noch 209 Personen in 51 Haushaltungen.

Standemin war ein Straßendorf mit kleinem Ortskern, bestehend aus dem Gutsbetrieb mit Park, Pfarrhaus, Schule und Kirche. Die Dorfstraße wurde an beiden Seiten von den Gutsarbeiterwohnungen mit den dazugehörigen Stallungen gesäumt. Besonderer Erwähnung bedarf der berühmte Altar mit Altar-Umbau, ein »Kunstwerk der Renaissance-Zeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts«. Nach einem Urteil des Kirchenkunstmalers Hoffmann »gibt es in ganz Pommern keinen Altar, der so fein ausgearbeitet und zugleich so wertvoll ist wie der Standeminer Altar«. Beide Kunstwerke haben den Krieg schadlos überstanden, und es sei der polnischen Kirchenverwaltung angelegen, sie zu pflegen und der Nachwelt zu erhalten.

                      Vor der Kirche 1920             

Aus der Standeminer Feldmark sind nahezu sechzig verschiedene Flurnamen überliefert, von denen an dieser Stelle nur einige auszugsweise wiedergegeben werden können: Scheitelgraben, Wurschtkätel, Moelebräch und -diek, Schapitz-bräch, Lotzschfeld, Die Klönwitz, Greine- und Neitzel'sche Wach, Das Standerol, Biankawiese, Der Kalk, Schneebruch, Vollrathschonung, Albrechtstangen, Schwedenweg, Bismarcklinie und Der blaue Becher.

                                            Die Kirche 1987                    

Die landwirtschaftlichen Flächen wurden zuletzt vom Rittergut und dem Pachthof der Pfarrgemeinde mit Pächter Max Fischer bewirtschaftet. Max Fischer betrieb in früheren Jahren einen kleinen Kolonialwarenhandel, selbständige Handwerks- und Gewerbebetriebe gab es im Ort nicht. Lediglich das Gut beschäftigte seine eigenen Handwerker. Standemin war ein ausgesprochenes Gutsdorf mit eigenem Gutsbezirk, der im Jahr 1928 zur Landgemeinde umgebildet wurde. Letzter Bürgermeister der Gemeinde war Max Fischer. Der Amts- bzw. Standesamtsbezirk wurde von Amtsvorsteher Walter Weske (Vertreter: Karl Kempin) aus Schinz und Standesbeamter Max Krebs (Vertreter: Schierholz und Charlotte Krebs) aus Latzig betreut. Zuständiger Polizeibeamter war Karl Bark aus Podewils. Die bereits 1867 erwähnte einklassige Volksschule konnte in den Jahren 1937/38 noch einen Neubau mit Lehrerwohnung beziehen. Letzter Lehrer und zugleich Organist war Lothar Kutschke.

Standemin wurde am 3. März 1945 ohne weitere Zerstörungen von russischen Truppen eingenommen. Mitte März wurden die männlichen Einwohner im Alter von sechzehn bis sechzig Jahren über Podewils - Stolzenberg in Richtung Osten verschleppt, nur wenige von ihnen kehrten zurück. Die zurückgebliebene deutsche Restbevölkerung war bis zur Vertreibung durch die Polen im Jahre 1946 den üblichen schlimmen Drangsalierungen ausgesetzt.

Heute ist Standemin ein polnischer Staatsbetrieb mit einem neuen Wirtschaftshof am nordwestlichen Ortsrand. Der alte Kuhstall ist abgebrannt, die Gutsarbeiterhäuser an der nach Podewils führenden Dorfstraße sind abgebrochen und durch einförmige, zweistöckige Massiv-Wohnblocks ersetzt worden. Das frühere Dorfbild ist verschwunden, Standemin gleicht mehr einer kleinen Stadtrandsiedlung, wie sie im Dunstkreis zahlreicher Klein- und Mittelstädte entstanden sind.

Quelle : Der Kreis Belgard, S. 466 - 467

Standemin 1655

Besitzer: Jochim Jürgen v. Wopersnow

Einwohner: Michel Damtze der Lange, Michel Damtze der Kleine, Tefes Damtze, Jürgen Kruse ( 1644 neugesetzt ), je 2 Hufen

Jochim Damtze, Karsten Pickerum, Drewes Berrbauw, 1 1/2 Hufen, Bauern

Der Hof von Michel Damtze dem Alten liegt wüst

Jochim Damtze, Michel Damtze ( 4.Mai 1655 gestorben ), Michel Damtze, Kossäten

Peter Bröcker, Verwalter

Die Höfe von Chim Möller und Brant sind wüst

Standemin 1666

Besitzer: Rittm. Jochim Georg v. Wopersnow

Einwohner: erw. wird Jochim Kruse, Arrendarius auf 2 Bauernhöfen

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis von Hinterpommern, S. 139

Die Kelche aus der Rarfiner Kirche

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