Alt Schlage / Slawa

Das von den Wenden gegründete Alt Schlage liegt 13 km westlich von Bad Polzin an der Hauptstraße Schivelbein – Bad Polzin.

Alt Schlage Messtischblattauszug

Der Ort liegt direkt an der Rega, die früher hier die Grenze zwischen den Kreisen Belgard und Schivelbein bildete.

Östlich der Ortschaft erhebt sich das Gelände mehr als 30 m über den Fluss, dahinter liegen die sogenannten Fuchs- und Kiebitzberge mit der 131 m hohen „Steinbahn“. Auf der Anhöhe befinden sich die im 19. Jahrhundert zu Alt Schlage gehörenden Vorwerke Neu Schlage und Kurtshof.

Gutshaus Alt Schlage

Aus dem eigentlichen Namen des Ortes Slawe oder Slaw ist im Laufe der Zeit Schlage geworden. Erstmals urkundlich erwähnt wird Alt Schlage am 12. Oktober 1373. Der Ort, ursprünglich ein von Ramelsches Lehen, wurde 1735 an Oberstleutnant Bernd L. von Sydow verkauft.

Zu den 1932 von Lehrer Karl Hoppe festgestellten Alt Schlager Flurnamen zählten;
Fort (quelliger Hohlweg), Heedbarg (Schweinehütung), Kraugrieg, Groß Wasser, Grandland, Judenplan, Scheiwe Barg, Grote Born, Langensches Moor.

Die Alt Schlager Feldmark war ein von zahlreichen Steinen unterschiedlicher Größe durchsetztes Endmoränengebiet. Der überwiegend gute Ackerboden wurde für den Anbau von getreide, Kartoffeln, Rüben, Klee und Seradella genutzt. Nach der Parzellierung des Rittergutes 1920/21 gründete man im Ort 23 landwirtschaftliche Betriebe, darunter 16 Kleinbauernhöfe mit jeweils
5 – 15 ha. Die größten Höfe bewirtschafteten die Familien Großkreutz ( ca. 100 ha), Schiemann
( 21 – 29 ha ) und Paul Völz ( 40 ha ). Betriebe mit 20 – 30 ha Nutzgfläche besaßen Reinhard Buske, Georg Frank, Johann Müseler, M. Pophal, Franz Prey, Reinhard Räther und Max Rogge.

Güteradressbuchauszug 1939

Zuständiger Amtsvorsteher war Paul Röpke aus Langen, er wurde von Hermann Frank aus Alt Schlage vertreten. Ebenfalls aus Langen kamen Standesbeamter Scheinhuber und sein „zweiter Mann“, Franz Runge.
Oberlandjäger Schreiber als zuständiger Polizeibeamter wohnte in Redel.
Ansässig waren zudem; der Schneider Artur Giese, Schmiedemeister Max Räther (vorher Hensel). Die Stellmacherei führte Gustav Schmidt, den Gasthof „Zur Linde“ führte Bürgermeister Hermann Frank.

Gasthaus Hermann Frank Alt Schlage

Zur Kirche:

1892: Die Kirche ist ein altes Fachwerkgebäude mit Westturmaufbau und polygonalem Chor und durch die malerische Lage zwischen hohen Bäumen trotz seiner Einfachheit nicht ohne Reiz
(Anfangsvignette). Der Altar ist barock mit gewundenen Säulen, die von Fruchtgewinden umschlungen sind – gut geschnitzt und von kräftiger Wirkung. Über der Predella, welche mit Verzierungen überdeckt ist, das Abendmahl, darüber das Mittelteil mit einem gut geschnitzten Altarbild, die Anbetung des Kreuzes, welches ein Engel trägt, darstellend,. Zu beiden Seiten Figuren Moses und Christus.
Der Altar trägt die Jahreszahl 1770, ist aber zweifellos älter. Von dem oberen Teil fehlt leider
die Mitte; es sind nur die Seitenteile des oberen Aufsatzes vorhanden mit zwei Engelsfiguren
und in der Mitte Christus am Kreuze. Jetzt ist alles weiß getüncht. Zwei Altarleuchter aus Zinn sind 1652 von den Kirchenvorstehern Michael Thurbey und Kersten Reechan geschenkt worden.
Außerdem ist eine Patene zu erwähnen mit der Darstellung des Adam, vom Apfelbaum essend. Zwei Epitaphe mit Porträts in Öl gemalt, von reicher Umrahmung umgeben, sind an den Wänden befestigt. Das erste für den Oberst Thomas Wedigo von Heidebreck 1648 – 1723, mit Trophäen und Wappen und zwei Figuren aus Holz geschnitzt und bemalt. Das zweite für den Oberstlieutenant Ludewich v. Sydow 1677 – Die Kirche zu Alt Schlage (1987) 1744 in ähnlicher Ausstattung.

Vorhanden sind ferner zwei Glocken. Die grössere hat auf einer Seite einen Heiligen mit dem Kreuze in der Hand und die Inschrift:
„die edtlen ehrenvesten Touges und Marten gebroeder de Zozenow, Patronen des Dorfes.
Godt der here schop mit Jochim Karstede godt mi De segen des heren si bi mir. 1612.“
Die kleinere hat oben zwischen zwei verzierten Rändern
die Nachricht: „Jochim Karstede mdIxxiii.“ 9)

(Quelle: Baltische Studien aus dem Jahr 1883, die Bau-und Kunstdenkmäler im Kreis Belgard)

Alt Schlage war eine Tochtergemeinde der Kirche in Ziezeneff.

Die Kirche1987
Die Kirche 1987, Vorderansicht

Letzter Pastor der Gemeinde Paul Blank, Küster war Paul Woller. In dem nach 1945 von den Polen übernommenen und bis jetzt gut erhaltenen Kirchengebäude, überdauerten der teilweise barocke Schnitzaltar von 1770, sowie eines der ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammenden Epitaphien alle Zeitläufe.

Die Kirche in Alt Schlage 2024

Ortsplan 1940

Einwohner 1939: 253
Haushalte: 63
Poststation: Schivelbein
Bahnstation: Ziezeneff ( 2,5 km entfernt )

Schule:

Schule in Alt Schlage

In der einklassigen Dorfschule unterrichtete 1928 Lehrer Karl Hoppe 11 Jungen und 19 Mädchen, sein Nachfolger war Paul Fischer.

Alt Schlage; Schulklasse mit Lehrer Hoppe im Jahr 1906

Im Ort gab es einen Sportverein und eine Musikkapelle.

Quellen:

Der Kreis Belgard, S. 346 / Ortsakte des Heimatkreises
Niekammer`s Landwirtschaftliches Adressbuch der Provinz Pommern

Alt Schlage 1655
Besitzer: Eggard v. Ramel, Tonnies v. Ramels Witwe, Peter v. Zozenow, Marten v. Zozenows Erben

Alt Schlage 1666
Besitzer: Henning v. Ramels Erben, Kurt v. Ramels Erben, Claus v. Brünnows Erben, Rittmeister Christi

Quelle: Schulmann, Einwohnerverzeichnis v. Hinterpommern, S. 141

Alt Schlage 1867
Gemeinsam mit den Vorwerken hat Alt Schlage 334 Einwohner in 44 Wohnhäusern, 1 Kirche und 1 Schulhaus. Es werden 107 Pferde, 164 Rinder, 2524 Schafe, 121 Schweine und 5 Ziegen gehalten. Außerdem gibt es noch 8 Bienenstöcke.

Der Wert des Gutes wird 1861 auf 135814 Taler festgestellt.

Quelle: Berghaus, Landbuch des Herzogtums Kaschubien

Einwohnerverzeichnis 1940

Hausnummer Name Vorname Beruf
23a Behling Franz Landarbeiter
1a Blank Franz Arbeiter
18 Block Paul Eigenheimbesitzer
23a Block Minna Rentnerin
23b Brandenburg Otto Gärtner
37 Briesemeister Gustav Bauer
14 Buske Reinhard Bauer
30 Buß Willi Bauer
28 Callies Reinhard Bauer
1c Callies Helene Arbeiterin
23a Callies Wilhelm Arbeiter
29 Dummer Georg Bauer
34 Falkenberg Marie Bäuerin
10 Fischer Paul Lehrer
3 Frank Gerhard Bürogehilfe
5 Frank Hermann Gastwirt
9 Frank Georg Bauer
36 Gebauer Otto Bauer
22 Gemeindehaus
11 Giese Arthur Fleischbeschauer u. Schneidermeister
1 Großkreutz Maria Bäuerin
8 Hammermeister Otto Bauer
25 Hensel Emil Bauer
26 Holz Willi Bauer
23a Holz Fritz Arbeiter
15 Jandt Hugo Arbeiter
19 Kath Ernst Eigenheimbesitzer
7 Kiekow Karl Bauer
16 Lemke Ernst Bauer
15 Litzkow Erich Chausseewärter
27 Marquardt Wilhelm Bauer
35 Meyer Paul Bauer
33 Müller Friedrich Bauer
1a Peterke Albert Arbeiter
32 Petermann Marie Bäuerin
18 Piske Max Arbeiter
3 Pofahl Max Bauer
2 Prey Franz Bauer
31 Radtke Willi Bauer
13 Räther Max Schmiedemeister u. Bauer
13a Räther August Schmiedemeister u. Altsitzer
20 Retzlaff Albert Bauer
6 Rogge Paul Bauer
12 Rogge Max Bauer
22 Schellin Geschwister
23 Schlemann Theodor Major a. D. u. Bauer
17 Schmidt Gustav Stellmacher
38 Schmidt Paul Bauer
1c Schneider Max Arbeiter
23a Schneider Fritz Arbeiter
23b Schneider Helmut Hofmeister
1b Schulz Ida Witwe
8a Seefeld Emil Arbeiter
22 Strickert Marta Witwe
1b Thrun Herbert Arbeiter
4 Völz Ernst Bauer
22 Woller Paul Kirchendiener
24 Woller Hermann Chausseewärter
21 Zeitel Robert Bauer

Im März 1945 wurde Alt Schlage von der Roten Armee kampflos eingenommen. Im Laufe des nächsten Jahres wurde die deutsche Bevölkerung aus dem inzwischen zu Slawa umgetauften Alt Schlage vertrieben, die Gemeinde wurde aufgelöst und nach Balsdrey eingegliedert. Von 1954 bis 1961 wurde „Slawa“ wieder eine selbständige Gemeinde, bis sie zum 01.01.1962 endgültig aufgelöst und nach Redel (jetzt Redlo) eingemeindet wurde.

Heutiger Name: Sława (Świdwin)

Überliefert von Hans-Georg Großkreuz und Willi Retzlaff