Bericht über Langen

Ein Bericht in mehreren Folgen

über

Langen und sein Nachkriegsergehen

von Albrecht v. Hagen,

28.09.1968

Hans-Heinrich beschreibt in einem seiner Reiseberichte :

Die Eichhofer Chaussee „ viele große Schlaglöcher „ und „ 3 große Rinder- und 1 große, anscheinend besonders gute Schafherde in voller Wolle „

– Ich erinnere die Strasse seit 1998 in sehr gutem Zustand mit jährlicher Baumpflege. Keine Rinder, keine Schafe aber Hunderte von Kranichen im Herbst und Frühjahr entlang der Strasse mit ca 40 m Abstand zur Strasse und sehr wachsamen „ Wächtern „. Wenn ein solcher Schwarm hochgeht, verdunkelt sich der Himmel. „

Im Dorf ist seit 1968 das Dreieck – Dorfschmiede, Bauer Lück, Krämer Röpke – völlig verfallen und heute noch verwahrlost. Ein sehr guter Bauplatz wäre das, falls Miscanthus in Langen zur zentralen Aufgabe würde.

Die Gebäude um die Brennerei inklusive Pferdestall, Scheinhuber-Büro, Hermann und Kutscher Franz Wohngebäude scheinen demnach 1968 noch brauchbar gestanden zu haben.

Heute – 2002 stehen lediglich 2 Wohnungen in der Brennerei und die Remise. Alles andere ist faktisch verschwunden. Nur an den Fundamenten erkennt man noch den ursprünglichen Zustand.

Die Ahornallee auf das Gutshaus zu stand also noch komplett – heute zur Hälfte abgeholzt.

„ Das Haus: Die hohen Linden im Halbkreis vor der Mauer mit den 2 Toreinfahrten und das Rondell waren verschwunden. Es liegt daher ganz frei zum Hof. Es steht kahl da. Die Berankung mit echtem und wilden Wein und die beiden Bäume beiderseits der Haustreppe sind nicht mehr, sonst sieht es aber ganz ordentlich aus. —– „

Mich wundern diese Worte, denn heute stehen von der Allee aus gesehen große alte Linden – 2 Fehlstellen – hinter der Mauer, so als wären diese Bäume nie weg gewesen. Sollten das neue gepflanzte sein ?? Dann müßten die aber bereits vor ca 70 Jahren gepflanzt worden sein ( oder wachsen Linden sehr schnell zu Bäumen mit gewaltigen Kronen ?? )

Sehr interessant erscheint mir historisch der Absatz über die „ 6 großen Alleen „ zu sein : „ Wunderschön sind jetzt die 6 großen Alleen, welche strahlenförmig von der großzügigen Hofanlage, welche von Urgroßvater in der Mitte des vorigen Jahrhunderts geschaffen hat, ausgehen. Der Heider Weg ganz groß und geschlossen mit Birken, die Eichen am Damerower Weg, die Eschen am Damm, die Birken am Altschlager Weg, sie alle waren erstaunlich gewachsen. Die beiden anderen Wege zum Walde, zu den Kibitzbergen und den Redeler Weg konnten wir aus der Ferne nicht so genau ansprechen.

Das ist heute noch so, nur sind die Wege- Kibitzberge, Damerower Weg und Heider Weg – so ausgefahren, daß man kaum mit dem Wagen da durchfahren kann. Die Traktoren benutzen nebenan die Feldränder als neue Wege.

Der dann folgende Absatz ist ein rührender Beweis von Heimweh und Heimatgefühl zu Neuschlage: „ Wir hielten einige Zeit auf dem kleingewordenen Rasenplatz mit unserem Auto im schönsten Sonnenschein umgeben von den doch recht schönen Bäumen und Büschen. Es war ganz still und eigenartig schön. Hier hatten wir 20 glückliche Jahre gelebt, unsere 5 Kinder waren hier herangewachsen. „

22.02.2000

Ich will einmal damit beginnen, daß Wichard Schöning seit einer Reihe von Jahren sich soweit als irgend möglich neben seinem Job als Anwalt und Justitiar dafür eingesetzt hat, daß Langen

– der Familie v. Hagen möglichst erhalten bleibt

– der Kontakt zu den dort Lebenden aufrecht erhalten bleibt

– die Verantwortlichen den Wert erkennen, den

“ mit der Scholle verbundene “ für die “ Scholle “ besitzen

– Kauf, Schenkung oder langjährige Pacht möglich wird

– der Wiederaufbau Sinn macht

– öffentliche Gelder für den Aufbau gefunden werden können

Mehrmals war er kurz vor einem positiven Ergebnis, aber mehrfach war das Verhandlungsergebnis für ihn nicht akzeptabel.

Im letzten Jahr hatte ich seit Pensionsbeginn am 01.02.1998 das meiste bislang liegen gebliebene aufgearbeitet und konnte mich um Langen so kümmern, daß ich den bisherigen Sachverhalt und die Zielrichtung kennen lernen konnte.

Bei näherem Hinsehen

– geht es um eine Ruine im verwahrlosten Park mit Kapelle und ev. Friedhof

– um ein Denkmal-Eigentum der Stadt Polzin mit zukünftig hohen Kosten

– um Millionen für einen Wiederaufbau

Bei einer derartigen Ausgangslage geht es nicht mehr ohne Fördermittel und ohne eine Gesamtkonzeption, die von der Öffentlichkeit gestützt wird. Also sind rentierliche Konzepte aufzustellen, die um die Parkanlage herum greifen können:

– Landwirtschaft und Industrie in Langen – etwa nach dem Schema von Großvater – zusammenkoppeln und damit einen Teil der Aufbaukosten finanzieren

– die Parkanlage zum Teil rentierlich nutzbar machen, zum anderen Teil für das “ Management “ gestalten

– das Haus für 2 Parteien und im oberen Teil als eine Art Hotel-Pension für internationale Urlauber einrichten

Für dieses Grundkonzept sind die dortigen Gegebenheiten aufzubauen:

– die umliegende Landwirtschaft auf der Basis der 4-Fruchtfolge

– bis zu 500 ha Land für Miscanthusanbau und Aufzucht

– die Hälfte des Gehöftes mit bestehenden und zu bauenden Gebäuden

– der Park mit der Kapelle und der Grabanlage

– der ehemalige Gemüsegarten

– das Haus

– ein Gebäude für die Verarbeitung von Pflanzen

– ein Gebäude für Spiritusgewinnung

Wenn dieses Grundkonzept erfolgreich durchgeführt werden kann, dann wird das Haus in alter Blüte in ca 6 Jahren wieder auferstehen. Dann hat das Haus auch seine Aufgabe wieder, und dann wird dieses Grundkonzept für andere Beispiel sein können. Die Langener werden wieder Arbeit und Perspektive haben, die Jugend wird bleiben und Arbeitslose wird es bei uns nur noch wenige geben.

Zum Glück haben wir in dem dortigen Bürgermeister Wziatek in Bad Polzin, dem dortigen Dolmetscher Herrn Wysinski, dem 2. Verantwortlichen in der Agentia in Schievelbein und nun auch in dem Dorfvorsteher von Legi und Jan + Dorota Bielski Helfer vor Ort.

Meine Arbeit für Legi hat erst im August 98 begonnen. Ein Artikel im Bonner General Anzeiger über die Pflanze Miscanthus Giganteus brachte mich mit dem “ Vater “ dieser winterfesten Pflanze zusammen, und wir beide beschlossen, in Polen – also in Langen – einen industriellen Großversuch zu starten. Dieser Versuch soll von Chemie auf Biologie – auf ÖKO – umsteigen lassen. Wenn das grundsätzlich gelingt, müßte die interessierte Industrie uns bald helfen wollen. Der Vorversuch wurde auf Kirchengelände in Langen im November 1999 durchgeführt und hatte als Nebeneffekt eine Art Hoffnungsträgerfunktion wiederbelebt. Diese war durch den Hagen Besuch bei der Einweihung der Gedenktafel in Langen 1998 genährt worden. “ Sie sind also doch gekommen “

Meine Gespräche im November 99 haben das Ergebnis vor ein paar Tagen vorbereitet. Der Bürgermeister hatte mir die Schenkung des im städtischen Eigentum stehende Grundstück mit Haus, Kapelle, Park und Grabstätte konditioniert vorgeschlagen, wenn ich mich zum Wiederaufbau der Gebäude auf dem Grundstück unter Denkmalschutz Bestimmungen bereit erkläre. Das tat ich nach kurzem überlegen; ich war über den Vorschlag höchst überrascht. Warum mir persönlich, warum nicht der von Wiechard ins Leben gerufenen Stiftung, warum jetzt?

Zum einen wurde der Druck des Stadtrates ob des negativen Betriebsvermögens in den Büchern nach der Wahl der neuen Mitglieder stärker. Mit Wichard kam der Bürgermeister nicht zurecht, weil all die deutschen juristischen Bedenken wohl zu stark herausgearbeitet worden waren. Meine Erwartungen duldeten keinen Aufschub über den 01.März 2000 hinaus, weil mein Alter für Zeitspielchen keinen Sinn macht. Man sieht offenbar in meiner Person einen Hoffnungsträger für die Region und will mich bei der Suche nach öffentlichen Mitteln als Partner.

Wenn alles gut geht, dann wird ab 01.03.2000 ein langfristiger Pachtvertrag bestehen, auf dem man – wohl auch späteres Eigentum – aufbauen kann. Mir geht es weniger um Eigentum, als vielmehr um das Ansehen der Familie Hagen in der Region. Mir geht es weiter darum, zu zeigen, daß dort auch heute wieder ein geregelter landwirtschaftlicher Erfolg möglich ist. Mir geht es um Zusammenarbeit und Vorbereitung der Gegend auf das EURO-Land.

Ich möchte das Haus und den Hof wieder so erleben, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung habe. Ich möchte ein Ziel vorgeben, das nach mir fortgeführt werden kann.

Also Beginn am 11.11.1999 mit dem Anbau des Vorversuches auf 4.000 m“ Kirchengelände in Langen. Das war ein einzigartiges Unternehmen, zusammen mit Dr. Pude und seinem Stab aus der Uni Bonn, den Einwohnern von Langen mit Jan Bielski und Bogdan Dydachi an der Spitze. Wir wohnten bei den Langenern, wo gerade Platz war, leisteten gemeinsam Maßarbeit auf dem Feld und feierten danach bei Bielski mit 19 Personen und viel Wodka unseren ersten Erfolg. Die Langener waren nun sicher, es würde zukünftig in ihrem Sinne was passieren.

Zweiter Besuch 16. bis 19. 02. 2000. Ich fuhr bei Dauerregen und 12 Stunden Fahrt mit einem alten Fliegerfreund – Günter Tiling – zum vorbereiteten Vertragsabschluß. Im “ Chief “ trafen wir uns noch nebenbei mit Neffe Dark Kappherr. Er schien sich für Langen zu interessieren. Wir konnten im ehemaligen Johanniter Krankenhaus – einem heutigen Sanatorium – in den dort befindlichen Gästezimmern für ein geringes Geld – DM 22,– plus DM 2,,50 Frühstück übernachten Am 17. Februar ging es beim Notar vor allem darum, einen ordentlichen Pachtvertrag auszuhandeln, wenn denn schon der ursprünglich angedachte Schenkungsvertrag wegen fehlender Mehrheit im Stadtrat – der soll ruhig zahlen – vorerst nicht zustande kam. Ich will im weiteren dann von der Agentia den Schlag am Bachwald so lange kostenfrei haben, bis wir dort Erträge erzielen können – mindestens 6 Jahre – .

Für dieses Gespräch bei der Agentia gab mir Bürgermeister Wziatek seine tüchtige Vertreterin Frau Kozik mit, die sich im Laufe der Gespräche in Schivelbein auch vehement einsetzte. Das Gespräch in Schivelbein verlief im Beisein der 3. Bürgermeisterin aus Bad Polzin freundlich und ich bin voller Erwartung auf den Durchbruch. Denkste !! Später Reinfall !!

Ferner will ich kostenfrei von der Agentia einen Teil des Gehöftes pachten. Das scheint auch zu klappen. Denkste !!! Jedenfalls wurden meine Anträge – die Herr Wysinski inzwischen ins polnische übersetzt hatte – im selben Gespräch offenbar sehr positiv aufgenommen.

Am Nachmittag ergab sich dann noch ein Treffen mit dem Notar in Polzin. Ich wollte die Vor- und Nachteile von Schenkung und Pacht von ihm erfahren. Er schlug wegen der Zeitgründe die langfristige Pacht als derzeit einzigen Weg vor und will den Pachtvertrag als neutraler Punkt ausarbeiten. Ich werde in ihm auf Dauer sicher eine große Hilfe haben.

Gleichen Abends trafen wir mit einem – Dark v. Kappherr – zusammen, der in der weiteren Nachbarschaft ein Gut für eine Gruppe deutscher Landwirte verwaltet und für sich selbst nach einer Bleibe in Spe Ausschau hält. Wir klönten lange, er blieb auch über Nacht im Sanatorium, und wir verabredeten weitere Kontakte. Es wäre doch schön, wenn er in Langen den Acker pachten würde und in der anderen Hälfte des Hauses sich einrichten und mit seiner Frau die Pension betreiben würde.

Das Treffen mit dem “ Aufsichtsrat “ der Stadt am nächsten Tag gab beiden Seiten Gelegenheit, sich kennen zu lernen. Der Gedankenaustausch war ungemein fruchtbar. Die sehr neugierigen Fragen konnte ich alle zufriedenstellend beantworten, so daß nach einer stundenlangen Diskussion und 2 eingelegten kurzen Pausen die Abstimmung in meiner und Tilings Gegenwart mit einer Stimmenenthaltung positiv abgeschlossen wurde. Damit kann der Bürgermeister nun mit mir direkt einen “ Vorvertrag “ abschließen und “ einen langjährigen und vorerst kostenfreien Pachtvertrag über das betroffenen Grundstückes “ bis 25. Februar 2000 dem Stadtrat in Vertragsform vorlegen.

Die direkt anschließende Besprechung mit dem Pastor in Redel hatte zum Ziel, Kirchengelände für den Fall zu erhalten, falls die Agentia mir das angeforderte Grundstück nicht liefern könnte. Wir wurden sehr herzlich empfangen, gemästet und befragt ob all der Dinge, die sich bis dahin getan hatten. Der Pastor hatte mit dem Kardinal zusammen damals die Gedenktafel an Vater mit eingeweiht und ist natürlich auch in all die Hagenschen Wünsche bestens eingeweiht.

Er versprach uns das Land und wir fuhren einigermaßen erschöpft ob all des Erreichten nach Polzin zurück. Der Vorvertrag wurde nachts noch von Herrn Wysinski übersetzt und anderen Tages – Samstag um 0900 Uhr – von beiden Seiten vor meiner Rückreise unterzeichnet.

Jan nahm die “ Wächterstelle “ in Langen an und erhielt die ersten Aufträge: Ein Fax anschaffen, das Dach gegen Nässe abdecken, die Regenrinnen und die Einfriedung in Ordnung bringen.

Vor allem wurde sofort mit dem Außenanstrich der Vorderfront begonnen. Für DM 5.000,- übernahm das das Handwerkerunternehmen des Vaters von „ Jola „, meiner Dolmetscherin ( ich hatte sie zufällig im deutschen Bus auf dem Schivelbeiner Parkplatz erspäht. ) Vater „ Jola „ arbeitete termingerecht; am 01.04.2000 erstrahlte die Ruine bereits im rosa-grau-weißen Kleid und wurde noch im Mai zu einer Art Pilgerstätte für Neugierige.

Die in die Februar-Fahrt investierten DM 2.000 scheinen gut angelegt zu sein. Die Heimfahrt durch die pommerschen Seen auf Stargard zu bei gutem kaltem Wetter in insgesamt 8 Stunden war fast erholsam.

Wieder zu Hause wurden all die Kontakte überprüft und zum Teil verstärkt.

Aus Afrika scheint sich General Tani aus der Elfenbeinküste für die Pflanze zu interessieren. Sein Besuch am Versuchsfeld im Dickopshof jedenfalls zeigt sehr interessante Ansätze.

Inzwischen ging es vor allem darum, die mir zugesagten Pflanzen aus der Eifel zu erhalten. Da Deutsche die sch—Arbeit nicht durchführen wollten, habe ich polnische Freunde gefunden, die auf Abruf bereitstehen.

Inzwischen haben Carsten und ich an einer Homepage fürs Internet gefeilt. Das Ergebnis wurde ganz ansehnlich und schien gut besucht zu werden.

Inzwischen mussten auch die Arbeiten am Haus weitergehen. Jolas Vater hatte ein viel zu teures Angebot für die weiteren Arbeiten gemacht. Es war schwierig, dem ehrlichen und verlässlichen Mann absagen zu müssen.

Ich entschied mich dann für Langener Handwerker, die mir für die Arbeit von Jan empfohlen wurden und vergab die ersten Aufträge an Bogdan-Beton.

Mittlerweile scheint sich auch ein Journalist in Bonn für unsere Arbeiten zu interessieren; jedenfalls haben wir einiges im GA veröffentlicht.

Auch zu Ria – der Schwester meines Vaters – bekam ich besseren Kontakt. Sie kramte in ihren Unterlagen und fand so einiges aus ihrer Zeit und hilft mir sehr beim Puzzle-Spiel mit der jüngeren Geschichte Langens.

Als nächstes aufregendes kam dann die “ Miscanthus-Schlacht „, die letztlich damit endete, daß 2 LKWs mit erdummanteltem Miscanthus vor der polnischen Grenze tagelang warten mussten und trotzdem nicht nach Polen einfahren durften. Der Grund war ein polnisches Gesetz, welches die Einfuhr von ausländischer Erde verbietet. Auch höchste Kontakte nutzten nichts – die Schlacht wurde verloren und 50.000 Pflanzen, die im Regen und unter schlechtesten Bedingungen dem Boden abgerungen worden waren, mußten auf deutscher Seite vernichtet werden. Das war der Punkt, an dem ich eigentlich mit der Sanierung Langens aufhören wollte. DM 18.000 waren in den Sand gesetzt.

Aber irgendwie blieb ich am Thema und machte weiter. Am 12. April kam Dr. Pude mit, um beim Bürgermeister das bevorstehende deutsch/polnische Symposium vorzubereiten. Sehr arbeitsintensive 4 Tage folgten, in denen der eigentliche Grundstein für die Sanierung von Park und Garten gelegt wurde. Jan war dabei eine große Hilfe, zumal es nun um alltägliche und um sehr qualifizierte Arbeiten ging, die zu vergeben waren. Mein Vertrauen war bis zum äußersten gefordert.

Am 24. Mai konnte ich dann vor Ort die ersten Arbeiten begutachten. Zwar ging alles noch ein bisschen langsam vor sich, aber der positive Anfang war gemacht, die verantwortlichen Vorarbeiter hatten sich grundsätzlich bewährt, und die neue Runde konnte beginnen. Ein handschriftliches Tagebuch beschreibt ziemlich genau, was alles wann vor sich ging. Für detailliertere Hinweise müssten die Einträge hinzugezogen werden. Besonders erwähnenswert sind allerdings die Arbeiten der Schüler aus Redel im Park. Verbunden mit dem Biologieunterricht vor Ort wurde mit ihren Händen der Park vom kleinen Unterholz so befreit, daß später die Sägen die kranken und schiefen Bäume herausschneiden konnten. Diese Schülerarbeit hat uns alle mächtig miteinander und unvergesslich verbündet. Seitdem haben wir mit der Schulleitung und vor allem mit Andrzej, dem Englisch-Lehrer freundschaftlichen Kontakt.

Die an die 3 Tage Arbeit anschließende Grillparty wäre fast einem Urgewitter gewichen, indem wir verängstigt alle durch und durch nass wurden. Die Schüler samt Fahrrädern wurden schnell zum Wäsche wechseln nach Hause gefahren und sofort bei schönstem Sonnenschein wieder zum Park zurückgebracht. Das Grillfest war dann doppelt so schön.

Schon im Juni war die Küche betriebsbereit. Aki und ich verbrachten zum ersten Mal die Nächte im Haus. Das war ein Bomben Erlebnis.

Ab 15. August kam dann schon meine kleine Familie – Karin, Ariane und ihre Kinder – für ein paar Tage nach Langen. Sie erhielten – wie nicht anders zu erwarten – sofort engen Kontakt zu allen meinen Freunden. Schließlich waren alle Langener neugierig auf die Hagen-Brut. Ein Eldorado für Kinder – wie auch hier nicht anders zu erwarten – . Blumen pflanzen, Kroquett spielen, im Park herumjagen, mit Pferden Kontakt bekommen, in der großen Gärtnerei von Herrn Wysinski die schönsten Blumen heraussuchen und die insgesamt bestehende Großflächigkeit ist für die Kleinen mit Bach und Kapelle etwas begeisternd neues.

In die Zeit fällt auch ein großes Interwiev mit einer Frau Lesser, TAZ, die Woche, aus Berlin. Die Recherchen sind aber wohl nicht so negativ ausgefallen, wie erwünscht. – “ Ich soll den Bürgermeister gar bestochen haben “ . Am 31. August wieder ein Arbeitseinsatz in Langen für ein paar Tage. Grandios gegen Abend die Scharen von Kranichen, die sich zum Flug nach Süden in Langen sammelten. Dagegen gab es kaum Störche, die ich aus meiner Zeit noch erinnere. Mit Stettin-Expo wurde das Symposium noch einmal besprochen – mir war der Plan weiterhin viel zu akademisch – die Praktiker müssen nun endlich dran.

09. Oktober 2000

Seit dieser Niederschrift hat sich eine Menge getan.

1. das Gelände um das große Haus hat wieder ein Rondell

– statt Urwald eine Park ähnliche Anlage bis hin zur Kapelle

– und hinter dem Haus ist endlich der Hühnerstall weg,

– das Rasenstück zur Bearbeitung fertig und

– eine Mauer vom Haus weg mit Tor und Törchen nach hinten raus

– der Wall für den Steingarten nimmt mehr und mehr Formen an

2. das Haus selbst wurde in rose/weiß/grau im 02/00 gestrichen

– die Tore und Gitter sind entrostet und schwarz gestrichen, die Scharniere geölt und leichtgängig gemacht, die Vorhängeschlösser über einen Schlüssel ausgewechselt

– das Haus wird von der Veranda an in Richtung Haupteingang Stück für Stück saniert

– im trockenen Keller sind verschiedene Materialräume eingerichtet

– Veranda fertig + benutzbar mit eingebauter Küche, Terrasse benutzbar

– Verandadach neu gedeckt und mit TV Antenne belegt

– Hintereingang fertig

– Bachmännchens Büro als Schlafzimmer mit Nasszelle benutzbar

– das Weihnachtszimmer als Schlafzimmer mit Nasszelle benutzbar

– Opapas Büro fertig und als Wohnzimmer benutzbar

– die Bibliothek zum 22.10. fertig und benutzbar

– 2 zusätzliche Besuchertoiletten zum 22.10.eingebaut.

– die Gasheizung für alle genannten Räume eingebaut und fertig

– das Dach regensicher repariert

– in der ersten Etage auf der Ostseite alles Gerümpel beseitigt

– Telefon im Haus : 0048 (0) 9436 45602

das alles – Gelände- und Haussanierung, sowie Anpflanzung – waren bislang bezahlbar, aber jetzt wird es eng.

Der sanierte Teil ist voll bewohnbar – auch über Winter – und hat derzeit ca 200 m2 Wohnfläche. Die Wohnkosten pro Tag betragen ca. DM 60,- p.P.

Das Grundstück macht einen vorzeigbaren Eindruck. Das Rondel ist begrünt und mit gelben Rosen bepflanzt. Die Mitte hat eine Art Sonnenuhr als Stein erhalten. Vor der Hausfront stehen ca 30 weiße Rosenpflanzen und die Grassflächen sind mit kleinen Tuja eingefriedet.

Langen und Polzin nehmen sehr positiv Anteil an den Veränderungen. Die ersten Touristen haben ihre neugierigen Nasen bereits am Zaun abgedruckt. Die Langener hatten bis 2/00 ihren Weg zur Arbeit immer durch den Bach und das Grundstück abgekürzt; dieser Gewohnheit galt es nun zu begegnen. Mit einigen Ausnahmen gelang das, aber ich mußte auch mal deutlich werden.

Langen hat mich bislang akzeptiert, viele freundliche Ansprachen belegen das. Besonders die Jugend läuft mir z. Teil die Bude ein und hilft kräftig mit.

Die Langener helfen alle, wo sie können und glauben mit mir an bessere Tage. Die Helfer bekommen von mir sehr geringe Taschengelder. Sie warten geduldig auf die hoffentlich bald zu vergebenden festen Arbeitsplätze durch Produzenten und Anwender.

Die MISCANTHUS Pflanzung ist gut gediehen – nicht zuletzt wegen der guten Pflege von Barbara und Bogdan mit Sohn Olek. Die Tagung – MISCANTHUS – Symposium – im September war ein voller Erfolg, wenn auch der wirkliche Durchbruch – Beginn von Produktionen noch nicht vor der Tür steht. Der Besuch der Tagungsteilnehmer im Haus war ein voller optischer Erfolg. Man wird sehen, was da letztlich herauskommen wird.

Zur Zeit werden die Fühler wieder zur Agentia ausgestreckt, die nun endlich den Hof an mich vergeben soll. Der Nachbar – er wohnt in der ehemaligen Brennereimeister- Wohnung – hilft mir dabei.

Meistens haben mich Freunde auf der 855 km langen Tour begleitet; Freunde aus Schule, Sport und Beruf, aber auch Aki gehört zu den “ Beifahrern “ und meine Karin-Famlie hat einen kleinen Urlaub mit Kindern in Langen gewagt.

Alle waren sich über das Respekt erheischende “ große Haus “ einig:

– ein klassischer Bau in einem idyllischen Gelände

– eine noch zu reparierende Ruine

– eine noch zu reparierende Kapelle

– eine bewundernswerte Leistung der dort Tätigen

– ein generell sich Identifizieren der Langener Bewohner

Ich bin sehr froh, diese Arbeit begonnen zu haben; sie befriedigt und schafft unserer Familie wieder einen Tel des Hintergrundes, wie ihn Opapa und Omama damals in den schweren 20er Zeiten aufgebaut und dann wirtschaftlich klug aber politisch blauäugig fortgeführt haben. Man spürt ihren Atem und ihre Nähe, wenn man durch die Alleen fährt, durch den Park zur Kapelle spaziert oder im Haus cm um cm beobachtet, prüft, bearbeiten lässt und dem Verfall entzieht. Ich war den Großeltern damals täglich sehr nahe, einiges davon ist Tag und Nacht wieder da, wenn ich dort bin.

Am 21.10. dann noch einmal mit NICO und Anhänger voll beladen.

Kritikgespräch beim Bürgermeister w/ Symposium; Fliesen legen beurteilen und weitere intensive Arbeiten im Haus begutachten, beim Schlachten auf Barbaras Hof dabei sein, gegenseitige kleine Eifersüchteleien – Bogdan gegen Barbara, Jan gegen Bogdan – ausgleichen, erste Verschönerungen anbringen,

– Schals an Fenstern und Betten – bis es am 01.11. wieder heimwärts ging. Ich fühle mich immer mehr heimisch in Langen, zumal die Behausung nun kaum mehr etwas zu wünschen übrig lässt. Ein alter Schreibtisch hat sich wiedergefunden, man sagt es sei Opapas, aber der war aus meiner Erinnerung mit geschraubten Füssen und sehr schwer. Aber Scheinhubers oder Bachmännchens könnte es schon gewesen sein.

Dann ging es zur letzten Fahrt in 2000 mit NICO – der nun auch Spaß an der Sache gefunden hat – gen Osten.

03.01.2001

Ria v. Schöning ist immer wieder eine große Hilfe beim Personifizieren und beim Nachforschen der Jahre vor 1939.

Personen, die in Langen lange Zeit Funktionäre waren

“ Bachmännchen “ – Opapas Buchhalterin

Schwuchow / Gruse – 2 Hauptinspektoren

Rathke / Müller – 2 Hofinspektoren

Scheinhuber – Hauptbuchhalter

Gerdt – größter Bauer im Ort

Bauer Harmel – ein vertrauter Bauer

Flesch – der Gärtner ( mit einem Buckel )

Häberlein – der Förster mit seinen Dackeln + einem

Schneider – ein Treckerfahrer

Dähn – der Schäfer

Röbke – der braune Einzelhändler am Dreieck +

Höft + Heinz Schelin – die Brennmeister tel 08165 65035

Bull Willi – Sohn von Herrmann Bull ( Fahrer 0561 35886 ) evtl. verstorben

Franz Köhn – Kutscher

Karl Werner – verantwortlich für den Kuhstall

Luci Puder – Frau von Willi Bull/ Zimmermädchen

Vorpagel – der Schmied

Bauer Lück – der Bauer auf dem Dreieck, dem der polnische ehemalige Kriegsgefangene gleich nach dem Kriegsende übel mitgespielt haben soll. Die damals begehrte Tochter mehrfach vergewaltigt, die Körper des Bauern und seiner Frau an die Tore genagelt –so erzählt Ria. Aber wann soll das gewesen sein ? Ich kann mich nach Treckrückkehr an eine solche Tat nicht erinnern; also müsste das noch vor unserer Rückkehr passiert sein.

Im April 2001 haben wir die Miscanthus Plantage dadurch vergrößert, daß wir die vorhandenen Stauden mit ihren 40 – 50 fachen Stecklingen zum größten Teil verpflanzt haben. Ca. 100.000 Stecklinge auf ca 1,2 ha Kirchenland sollen die neue Grundlage für die zukünftige Vermehrung bilden. Hoffentlich gehen die Pflanzen auch an.

16. Mai 2001

Inzwischen sind wieder 2 Fahrten mit NICO und eine ohne ihn nach Langen durchgeführt. Eine davon mit 4 Polen zurück über Südfrankreich, um dort den Hafen zu säubern und anzustreichen. Die obere Etage ist bereits begonnen worden, der Fischteich gründlich ausgebaggert, die Wege zur Kapelle angelegt und mit gelbem Sand bestreut. Rasen, Luzerne und wieder einige Miscanthus Stecklinge sind im Boden verschwunden.

Die Grundmauern der ehemaligen Gebäude sind freigelegt, eine zweite Zisterne ist im Bau, die Sanitäranlage wird insgesamt vergrößert. Das Haus hat bereits jetzt praktische Besuchs-Möglichkeiten. Die Gründungsversammlung für den polnischen Verein „ Elisabeth und Gerhard v. Hagen-Langen „ wurde im Haus begonnen und im Rathaus in Bad Polzin groß mit 30 polnischen Mitgliedern aus Légi und Umgebung abgeschlossen. Dorata wird schnell ihres Amtes walten – Vorsitzende des Organisationsausschusses. Anfang April sind die Kraniche wieder erschienen, haben sich paarweise getroffen und sind zu ihren Brutplätzen weiter geflogen. Es waren wieder viele viele Hunderte.

Wieder einmal ist während meines Aufenthaltes in Langen viel passiert.

30.04. bis 10. Mai begann dort der Frühling nach regenreichen und kühlen Tagen. Auf dem Feld wuchert das Unkraut und wird von 4 – 5 Frauen täglich im neuen Feld entfernt. Da die Fläche nunmehr über einen ha groß ist, haben die Frauen reichlich zu tun. Noch ca 2 Jahre muss das Unkraut bekämpft werden, ehe Miscanthus durch seinen dichten Bewuchs das selber tun kann. Die neuen Pflanzen sind aber gut angegangen und lassen auf gute Vermehrung in Zukunft hoffen. Der Winter 2001/2001 wird zeigen, ob die Pflanzen resistent sind.

Im Park sind die Kapelle gesäubert und der Fischteich für den Anschluss an die Muglitz vorbereitet worden. Die Jugend hat Birkenalleen entlang der Spazierwege vom Haus zur Kapelle angelegt und der Steingarten hat Blumen aus der Gegend erhalten. Der Rasen kommt erst dürftig, die Quäke ist noch sehr stark. Die Luzerne in der Lichtung kommt gerade erst, sie soll die Quäke ausschalten. Im Haus werden die Zimmer Nr. 10 + 11 auf der Etage bearbeitet, der Saal ist verputzt, die Halle ebenfalls. 11 Stühle sind gepolstert, aber die beschädigten Isolierfenster sind noch nicht ausgetauscht worden. Also haben wir derzeit 4 Doppel-Schlafzimmer 1 Küche, ein Wohnzimmer und 2 Büros, sowie 2 zusätzliche Toiletten. Boh. äh!!! Das ist der Beginn für Besücher – nicht nur ein Besucher.

Draußen haben sich ein Storch – wohl ein Einzelgänger – und ein Kranichpärchen heimisch gemacht. Der Specht hämmert mit unglaublicher Geschwindigkeit in den wenigen maroden Bäumen. Die Stare haben die Starenkästen der Kinder von Redlo angenommen und mit Familien bevölkert und die Dorfjugend kommt täglich gerne zu mir, der Geschichten, der Fotos, der Knabbereien und halt des Wohlbefindens wegen. Sie tuscheln und erzählen in english und deutsch – so weit als möglich -, wollen möglichst alles wissen und freuen sich auf Trudis Deutsch/Unterricht.

Ja Trudi und Roberto waren da und haben für den Sommer ihr Vorhaben vorbereitet. Starker Applaus im Land. Dorota, Barbara und Bogdan sind weiterhin die Stützen in Légi. Dazu scheint sich ein Däne – Lars der Feldinspektor bei der Prima und Nachbar zum Haus zu gesellen.

Jan und Marek haben die Remise inzwischen gekauft, voll in Besitz genommen und arbeiten voller Begeisterung auf ihrer neuen großen Arbeitsfläche. Adam, Marek und Anieschka haben sich von der Frankreichreise ausgeruht und suchen bereits wieder Betätigung. Aber Bogdan will sie noch nicht.

Zum Schluß vor meiner Abreise scheint das Telefon gestreikt zu haben – abgeklemmt ?? Aber ich habe doch alle Rechnungen bezahlt – oder nicht ??

Romek der Schreiner ist derzeit mein Sorgenkind: Er kommt nicht so recht weiter und hat einen solchen Gesamtauftrag wohl auch noch nicht gehabt. Handwerklich ist er gut, aber Planung und Rechnen sind nicht seine Stärken. Er hat zur Zeit die meisten Aufträge zu erfüllen und kommt nicht nach. Barbara hat in den letzten Tagen den besten Schweinebraten auf den Tisch gebracht, den ich je gegessen habe. Das wird in der Pension später ein fester Bestandteil zum Extra-Abend werden !!!

Bogena, die Massage Dragonerin quälte mich täglich abends gegen 1900 Uhr. Sie wird zukünftig noch viele Kunden im Haus haben.

Die Rückfahrt alleine, bereits Abfahrt um 03:30 war am 10.Mai völlig problemlos. Der vorgesehene Besuch von Ria um Pfingsten kann losgehen; alle sind gespannt und auf diesen großen Besuch vorbereitet.

Monika und Justina werden abwechselnd im Haus helfen und für uns da sein.

Pfingsten 2001

Rias Besuch war ein großes Erlebnis für alle, die Bewohner von Légi, den Bürgermeister, die Jugend und natürlich auch für sie selbst. Sie bekam Kinderaugen und war wie verwandelt in ihrer Heimat, im Reich ihrer Kindheit. Mit einem Bus war sie gekommen bis zu einer Kreuzung an der großen Strasse nach Danzig. Von dort haben wir sie dann nach Langen abgeholt – Pschemek war dabei. Alles wollte sie sehen, und alles hat sie gesehen, unermüdlich in Park Umgebung und im Haus. Es hat mir große Freude gemacht, ihr möglichst alles zu zeigen.

Gleich danach kamen Helmtrud und Robert. Sie hatten nach dem Verkauf ihrer Fremdsprachenschule in Spanien ihre professionelle Hilfe im Dorf und in den umliegenden Schulen angeboten und 6 Wochen lang Groß und Klein in der deutschen Sprache unterrichtet-. Das war sehr hilfreich, denn einige haben wirklich gut gelernt und können mir nun weit mehr als zuvor helfen.

Beide spendeten spontan DM 2.000 für den Hausbau und halfen damit beim weiteren Ausbau der oberen Etage. Nr. 10 wird später das „ de Roo – Zimmer „ heißen.

16. August 2001

Mit Günter Kohls hat sich ein Bauernsohn aus Langen gefunden, der ein großes Wissen um die alten Langener Bewohner in sich trägt. Sein Besuch in Bonn war eine wahre Schatztruhe. Die Namen mit Infos gehen nun in eine besondere Kartei ein und werden so mehr und mehr vervollständigt werden.

17.08.2001

auch Ria steuert mit immer neuen Informationen zum Langener Bild bei. Zur Zeit beschäftigt sie sehr ihr nachzufeiernder 85. Geburtstag in Langen, der optimaler Weise mit einem kleinen Familientag, einer Einweihung der Gedenkstätte und der ersten Steinsetzung ( Omma/Opapa) im Juli 2002 vielleicht auch mit ehemaligen Langenern erfolgen soll. Zu einer derartigen Mammutshow wird letztlich das Haus und das Gelände fertig sein können. Derzeit werden aber erst einmal die Vorbereitungen für unser familiäres Weihnachten in Langen vorbereitet. D.h.: es muss überall schnuckelig warm sein. Doppelfenster in allen Zimmern auf der Erdetage, genügend Gas im Tank, die Türritzen dicht und die letzten Fenster in der 1. Etage müssen eingebaut werden. Aber dann kann es wieder weitergehen mit den Pensionszimmern ( 4 ), dann insgesamt 7, dem Saal, der Anrichte, der Treppe und dem Eingang mit Fenster und Türen. Bogdan hat das alles verstanden und an den einzelnen Terminarbeiten seinen Anteil. Der Treue wird für das Gelingen alles dransetzen.

Der Besuch von Karin mit den Kindern im Juli, zusammen mit Nico und den Schaeffers ( zu dritt ) und mit Helmtrud und Roberto war ein toller Erfolg. Erstmals war zu 9. im Haus. Es war ein neuer Standard. Das Haus machte sich im schönen Wetter prächtig, ließ viel Raum für jedermann und viele Möglichkeiten für Gemeinsamkeiten. Das war wieder ein Zukunft weisender Test in Richtung privat und Pension unter einem Dach. Besonders Bogdan hat verstanden, was da zukünftig geschehen wird und richtet sich entsprechend ein. Ohne ihn wäre das Risiko deutlich höher.

Park, Fischteich, Kapelle/Gedenkstätte, Rondell, Rasen, Blumen und neu gesetzte Bäume ( zumeist Birken ) sind prächtig anzuschauen und entsprechen voll der Jahreszeit. Die polnischen Freunde freuen sich weiter über Arbeiten im Haus, im Garten und auf dem Feld. Miscanthus steht wie eine eins, vor allem, seit Nico gezeigt hat, wie man dem hohen Unkraut schnell Herr werden kann. Immer mehr Hoffnungen ranken sich um Miscanthus vor Ort und daheim. Im Internet ist Miscanthus international sehr gut vertreten und wird zukünftig sicher seinen Weg gehen.

Leider gibt es wegen der Isolierfenster in der Küche Ärger. Nach meiner Ankunft habe ich in 3 Werktagen die beschädigten durch neue Fenster ersetzen lassen. Jan und Marek waren in der bisherigen Zeit nicht dazu in der Lage gewesen. Die präsentierte Rechnung über meine zusätzlichen Auslagen wollen sie nicht übernehmen und empfinden meine Forderung als nicht berechtigt. Die aufgetretene Missstimmung bei Jan und Marek sollte sich in den kommenden Wochen aber wieder legen können. Aufträge erhalten sie allerdings nicht mehr, und das wissen sie.

17. August

Der Besuch der Langener – Günter Kohls und Manfred Werner mit Frauen war eine nette und rührende Begegnung. Kohls ist voller alter Geschichten und Namen. Er will mir eine Liste geben, auf der viele bereits vermerkt sind. So beginnt sich der Kreis langsam wieder ein bisschen zu schließen. Der Einfachheit halber schreibe ich hier den Brief an Ria mit ein.

Er gibt auch allgemeines für diesen Bericht her.

Albrecht v. Hagen, Endenicher Allee 12, D – 53115 Bonn; T: 02287660711

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Liebe Ria,

Dank für Deinen ausführlichen Geburtstagsbrief vom 14.08. Du hast Dich laufend für die schönen Tage in Langen bedankt. Dein tägliches „ Erblühen „ war schon eine Art Dank in Langen; denn ich hatte mit Deiner Freude insgeheim gerechnet. Und Freude ist nun mal der beste Arzt, den man haben kann.

Nach Dir war nun der erste Großangriff fällig. Mit 9 Personen haben wir eine Woche lang in Langen herrlich gewohnt. Alles war so weit fertig. Der Test gelang und die Gäste genossen in vollen Zügen. Die Kinder durften reiten, alle spielten Krockett und die Abende verliefen wegen des warmen Wetters im Freien bis weit in die Nachtstunden. Das Haus in Langen bestätigt meine Annahmen voll. Es kann ein Eldorado für Natur bewusste Urlauber werden. Letztendlich wird Dein Geburtstag der Test an sich werden.

Deine Vorschläge für das Fest anlässlich Deines 85. Lebensjahres in Langen im Spät-Juni 02 sind alle machbar, wenn die Familie ordentlich mitmacht. Bei der Vorbereitung wäre ich für Deine mündliche/telefonische Hilfe im großen Mond-Hagen Familienkreis dankbar. Das schriftliche wird dann hoffentlich Gernot übernehmen. Ich möchte mich freihalten für die vielen örtlichen Vorbereitungen.

Das Haus wird außer für Dich allein Platz für 7 Paare und ca 12 Jugendliche in mitgebrachten Schlafsäcken und weitere in mitgebrachten Zelten mit Schlafzubehör haben. Weitere Paare müssten in der Umgebung – 50 Eichen – oder in Bad Polzin/Schivelbein unterkommen.

Die Küche dürfte Frühstück für bis zu 80 Personen an 3 Tagen sicherstellen können. Ferner werden wir auf Zwischenmahlzeiten tagsüber uns einstellen können. Zu Abend werden wir wohl einen Caterer aus Bad Polzin bemühen müssen, der deutsch und polnisch sprechend mit unseren Langener Helfern im Saal, im Eingang und in den unteren Wohnräumen polnische Speisen servieren wird.

Für Schlafen, Essen/Trinken und Versammlungen sollte das Haus gewappnet sein. Für Zerstreuung und einzelne Gespräche bei Spaziergang bietet der Park viele Gelegenheiten. Die Autos können hinter dem Haus sicher geparkt werden. Helfer und Helferinnen warten schon auf uns.

Falls allerdings auch ehemalige Langener dazu stossen, dann wird es knubbelig. Kaffee trinken im Garten mit Hilfe des Caterers wäre die Lösung. Das liesse sich alles machen, und es scheint mir auf viele Schultern verteilt auch bezahlbar zu sein. Billiger jedenfalls, als in irgendeinem anderen Hotel.

Mit einem DM 80 pro Person/Tag sollte alles – außer An- und Abfahrt und Extras an den Tagen in Langen – machbar sein, eher weniger als mehr. Zusätzliche Vorhaben wie Rundgänge, Pferdewagenfahrten in die Umgebung und Reiten, eine Fahrt an die Ostsee, Besuch beim Bürgermeister in Polzin etc. müssten planbar sein.

Evtl. länger Bleibende ( über 3 Tage hinaus ) können bei Voranmeldung – wie in einer Pension – beherbergt werden. Klingt das nach nur 2 Jahren Aufbauzeit nicht fast unglaublich ??

Selbst mich erschauert es leicht bei der Vorstellung: im Juni 2002 erleben bis zu 80 Menschen ein funktionsfähiges Langener Haus. Für die Pension suche ich derzeit nach einem Namen, der in Polnisch und in Deutsch verstanden und gut geheißen wird. Zur Zeit liegt mir „ DOMO Langen „ ( Haus Langen ) auf der Zunge. Überlege doch bitte einmal, ob es noch was besseres gibt ??

Vielen Dank auch für die Liste über alle Hagens, nunmehr gar in der 5. Generation seit Omama und Opapa. Trotz der Männer-Flaute in meiner Generation hat sich vieles ja wieder zurechtgerückt. Nun fehlen nur noch die dazugehörigen Adressen und T-Nummern, aber die wird wohl Gernot im Internet-fähigen-Computer haben, so daß er sie mir nur zu überspielen bräuchte.

Vorerst so viel. Handkuss und liebe Grüße

18. September 2001

kurz vor erneuter Fahrt nach Langen morgen früh sind die letzten Vorbereitungen so gut wie erledigt. Die beiden Polen Marek und Pawel sind aus Frankreich auf dem Weg hierher, um mit mir dann weiter heim zu fahren. Zwischenzeitlich haben einige lange Telefonate mit Bogdan in Langen das leidige Schreiner-Problem wohl endlich gelöst: wir werden für Holzarbeiten – und das sind noch sehr viele – im Keller eine kleine Werkstatt einrichten. Dann kann ein junger Mann aus dem Dorf nach seiner Lehre in Abend und Wochenendstunden viele der Holzarbeiten – Betten, Türen, Fenster, Paneele, Scheuerleisten, Bilderrahmen, Stühle, Tische, Spiegel und was sonst noch alles anfällt – zusammen mit Bogdan erledigen. Beide freuen sich bereits auf meine Entscheidung und suchen nach den geeigneten Werkzeugen. Diese Werkstatt wird unter DM 2.500 zu haben sein, nach allem was mir vorgeschlagen wurde. Na und wenn es den doppelten Betrag kosten sollte – einige Herren ( insbesondere die Abstauber Jan und Marek ) dürften damit ausgeschaltet sein.

Jan Bielski – der Imker – entpuppt sich als ein Bremser aus eigener Interessenlage. Er hat ja mit Marek zusammen die am Haus nebenstehende Remise kaufen können. Ich hatte ihn dabei unterstützt so gut ich konnte. Danach war der Kontakt geringer geworden und kam auf Grund meiner Hinweise auf schlechte Arbeiten des Glasers für die Sicherheitsgläser in der Veranda zum Erliegen. Diesen Glaser hatten Marek und Janek ohne mein Dazutun engagiert, und nun wollen sie für die Garantiearbeiten sich nicht verantwortlich machen lassen, obwohl sie selbst die Gläser eingesetzt hatten. Mehrkosten von SL 800,– bisher. Aber das sind Peanuts letztlich.

Miscanthus wächst prächtig, sagt Barbara. Das Unkraut ist weitestgehend besiegt. Nun muß sich zeigen, ob die einzeln stehenden Stecklinge den Winter gut überstehen werden. Wenn das gut geht, dann haben wir die halbe Miete im Sack !

Was haben wir bislang ??

– Das aussen rundherum sanierte und in hellem rosa gestrichene Haus hat

– ein dichtes Dach !!

– eine reparierte Rückseite des Hauses

– Fenster in fast allen Zimmern oben und unten

– einen trockenen und beleuchteten Boden

– eine beleuchtete Kelleretage mit vielen einzelnen Kellern

– ca 500 m2 sanierte und mit Gas beheizbare Wohn und Pensions-Fläche

– 10 bewohnbare ( eingerichtete ) Zimmer, davon 2 Ess-Küchen

– 4 bereits weit vorbereitete weitere Schlafzimmer

– einen Ess-Saal mit Anrichte ( Küche )

– 2 Terrassen

– mit Rosen bewachsene Beete an der Stirnseite

– ein Rosen-Rondell, das demnächst mit wildem Wein umrankt sein wird

– einen Park mit Spazierwegen

– einen Fischteich mit Fischen darin

– große Rasenflächen, die für Annäherungsschläge im Golf geeignet sind

– 300 m2 Miscanthus Fläche hinterm Haus

– einen Steingarten an der Ostseite

– 3 kleine Birkenalleen vom Haus weg in den Garten

Das bedeutet bei Einsatz von ca DM 250.000 500 DM/m2 Kosten in einer schönen Landschaft und einem erweiterbaren Miscanthusfeld.

Nun naht wieder der Winter. Alle Fenster sind zu überarbeiten – Doppelfenster in der Erdetage, alles Wasser aus den Leitungen, wenn wir nicht im Haus sind etc.. Bis Weihnachten – wir werden dort mit ca 10 Personen sein – soll noch viel erledigt werden. Zum 01.05.2002 soll die Pension offiziell eröffnet werden. Ca 300 Übernachtungen sind heute bereits so gut wie vorbestellt. Möge alles so weitergehen wie bisher und die Planung wird weit übertroffen werden können ( in 4 Jahren saniert war der Plan )

09.12.2000

Liebe Freunde und Interessierte,

der folgernde Text schildert in etwa das derzeitige und zurückliegende Geschehen in LEGI, wo die Basis ganz selbstverständlich und freundschaftlich reagiert. Ich möchte Euch allen das so mitteilen; denn, wenn dem so ist, dann sollte uns allen um die politische und wirtschaftliche Zukunft nicht bange sein. Alles Gute für die Zukunft wünschen Karin + Albrecht v. Hagen

Vorweihnachtlicher Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr 2.000

Liebe Freunde und Bekannte im heutigen, Polen und damaligen Pommern;

liebe Familie und Hagen-Geborene; liebe Freunde und Bekannte aus all den Erlebniskreisen, wie z. B.: Schule, Sport, Beruf, auf Strassen, Flüssen und Kanälen und nicht zuletzt liebe Freunde und Bekannte aus den Ländern Türkei, Frankreich und der Cote d’Ivoire.

Als im Oktober 1999 Herr Dr. Pude und ich einer ganz schnellen Eingebung folgend ad hoc uns entschlossen, in LEGI in Polen/Pommern einen Pflanzenversuch mit MISCANTHUS giganteus zu starten, da war in meinem Leben der Grundstein für ein aufregendes “ polnisches Jahr 2000 “ gelegt. Fortan zog mich Langen in Hinterpommern magisch an. Es gab für mich kein Entrinnen; ich mußte so handeln; ich wurde von irgend etwas ( von irgend wem ) dahin gesteuert. In das schöne Haus von Karin nach Frankreich zog es mich nicht mehr; Mein Sporthafen in Frankreich reizte mich nicht – Jacque machte alles glänzend alleine und die sehr reizvolle Insel Saligh Adasi in der Ägiis / Türkei sah mich ebenfalls nicht, obwohl dort renoviert worden ist.

Die Zeit rann unter den Händen weg und wart in das Polen-Erlebnis investiert. Ich berichtete an einen kleineren Freundeskreis bereits Ende September. Meine Gedanken Visionen und Träume sind nahezu vollständig besessen von den beiden Polen ( Pommern ) – Themen :

1. MISCANTHUS für Polen. Dabei geht es stets um ein Pilotprojekt, bei dem es in den kommenden Jahren davon abhängen wird, ob diese Pflanze helfen kann, den enormen synthetischen Müllberg in Europa abzubauen und stattdessen mit diesem “ nachwachsendem Rohstoff “ biologisch abbaubare Stoffe zu erzeugen.( Bekanntlich wird das Recycling von alten und verbrauchten synthetischen Stoffen demnächst gesetzlich den Produzenten auferlegt werden, weil das Entsorgen dieser Stoffe sehr aufwendige und teure Verfahren erforderlich machen. Die nachwachsenden Rohstoffe könnten die Kosten für Entsorgung nicht nur erheblich senken; sie wären auch ökologisch verträglich ). Auf insgesamt 6.000 m2 Kirchenland habe ich ca 12.000 Pflanzen – teils als Stecklinge, teils als Treibhauspflanzen im Feb. Apr. Mai, Juni und Juli setzen lassen. Bis heute scheinen die Stecklinge aus dem Nov. den Winter überstanden zu haben und alle anderen sind zwar angegangen, warten aber auf ihre erste große Winter -Belastungsprobe. Viele fleißige Hände aus dem Dorf haben das Projekt – Anbau in 2000 – überhaupt erst möglich gemacht. Den Barbaras, Kasias, Theresas, Justinas und Dorotas sei auch hier herzlich gedankt.Unser Treiben wurde intensiv vom Bürgermeisteramt betreut und kontrolliert. Diesen “ Vorversuch “ haben wir mit dem Namen des Bürgermeisters “ Wziatek “ getauft. Man war tief berührt.

2. Das Grundstück mit den Gebäuden, das mich als 7 bis 13 jährigen so intensiv geprägt hatte. Darüber hinaus wurden meine Kontakte zum Eigentümer von Großvaters Haus mit 5 ha Park und einer Kapelle mit Grabstelle – die Stadt Bad Polzin ( Poczin Zdroj ) – immer enger.

Als der Bürgermeister von Bad Polzin (Polzcin Zdroj ) mir zum Jahresende 1999 dann auch noch die Schenkung dieses Stückchens Erde vorschlug, kam der Sanierungsgedanke wie selbstverständlich hinzu. Leider konnte sich Herr Wziatek im Stadtrat mit der Schenkung vorerst noch nicht durchsetzen – wir haben stattdessen hinhaltend eine 30 jährige unkündbare Pachtung vereinbart – aber mir ließ dieses Grundstück trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers keine Ruhe mehr; die Haus-Ruine, die Kapellen-Ruine und der urwaldartige Park gehören nun zu meinem Schicksal und fordern – quasi im Sterben liegend – von mir helfenden Einsatz. Weitere Projekte sind geplant und sollen meinen erheblichen finanziellen Einsatz irgendwann einmal bezahlen. Bis dahin wird es aber noch dauern; denn verwandtschaftliche und freundschaftliche Investoren für den weiterhin erheblichen Finanzbedarf wird es vermutlich nicht geben. So werden die nächsten Jahre beweisen müssen, daß Langen insgesamt für Polen ein Wirtschaftsfaktor mit Rentierlichkeit werden wird. ( Dann wird – so ist zu vermuten – der Erfolg wieder viele Väter und Nutznießer haben wollen ) .

Heute – 09. Dezember 2000 –

– hat die Kapelle ein Notdach und kann auf die aufwendige Restaurierung mit erheblichen Mitteln ein paar Jahre warten. Ich habe ein Dokument in Händen, nach dem diese ruinierte, als Klo benutzte, mit Löchern statt bunten Fenstern und Toröffnungen ohne Türen versehene, mit abgerissenem Stuck und herausgezerrten Fliesen und mit verwitterten Mauern wie Tod dastehende “ Kaprica “ mit der noch verwahrlosten Grabstelle – auf der wir noch 1999 menschliche Gebeine gefunden haben

– als ein “ polnisches Denkmal erster Ordnung “ eingestuft ist. Mit diesem Brief als Beweisstück erhoffe ich mir Hilfe von deutschen und/oder polnischen Kultur-Fonds. Wer immer mir entsprechende Gesprächs – Kontakte vermitteln kann, der sei schon hier herzlich bedankt. – ist der Urwald – vom dichten Unterholz mit Schulkinderhand befreit – wieder ein Park geworden, mit der Lichtung in Richtung Redel und den ersten Spazierwegen vom Haus zur Grabstelle.

– sind die Rasenflächen vor, hinter und neben dem Herrenhaus im klassischen Stil wieder grün – nur der Maulwurf stört noch – und warten auf das Krockettspiel in 2001

– das Rondel steht in alter Form und demnächst – August 2001 – in alter Pracht

– die Vorfahrt, die Tore und der Hupteingang ( von aussen ) sind restauriert; die Touristen klemmen bereits ihre Nasen durch die Torgitter

– das Haus at außen einen leicht rosa in grau eingelegten Farbanstrich erhalten. Die Veranda dient als Wohnküche, Bachmännchens Büro und das Weihnachtszimmer sind als Schlafzimmer mit jeweils eigener Nasszelle eingerichtet. Opapas Arbeitszimmer steht noch leer, hat aber bereits braun/rote Fliesen erhalten und wird ein gemütliches Wohnzimmer werden. Die Bibliothek hat die gleichen Fliesen wie Opapas Zimmer und wird als Büro mit Regalen, Weltkarte und PC eingerichtet 2 Gästetoiletten – voll gefliest – sind bereits von vielen Tagesgästen besucht worden. Alle Räume haben Heizung über Gas aus einem riesen Gasbehälter, die Kanalisation ist über eine nagelneue Forceptik geregelt, das Dach ist wieder dicht, Elektrik, wo immer notwendig, ist bis unters Dach gelegt, Telefon 0048 9436 45602 und TV-Antenne sind verlegt und funktionieren, die vorderen Räume sind alle mit den hohen Türen versehen worden. Das alles seit Februar 2000 – also in 8,5 Monaten – . Ohne die Hilfe von Bogdan-Beton, Adam ( sein Bruder ) und Cecik, ohne Marek und Jan mit seiner Familie, ohne Jan-Elektrik und Josef-Heizung, ohne Familie Bogdan-Traktor wäre das alles nicht möglich gewesen. Der alte Küster und seine halb blinde Frau sind begeisterte Fans des Bautrupps. Unter seinem TV durfte ich Wodka-seelig die erste Nacht in Langen – Nov. 1999 -verbringen. Weihnachten und das Jahresende 2000 ist nicht mehr weit weg. Deshalb beschäftigen mich meinen Erlebnisse in LEGI und Polczin Zdroj -. Viele Personen – auch Sie – haben wesentlich mit dazu beigetragen, daß dieses so überaus erfolgreiche Arbeitsjahr schnelle und sichtbare Ergebnisse im Haus, im Park, an der Kapelle und auf dem Feld ergeben haben. Wir sind gemeinsam ein Stück vorangekommen, und werden das sicher im Neuen Jahr auch weiter tun. Für mich aber viel wichtiger ist Ihre Art und Weise, wie Sie mich in Ihrem wunderschönen “ Pommern “ empfangen und eingegliedert haben. Ich fühle mich gut, wenn z.B. in Swidwin die Schüler grüßen, mein Auto anhalten und mitgenommen werden möchten, oder ganz einfach ihrem Freund kurz erklären, wer da gerade vorbei gefahren ist. Und ich fühle mich im Dorf wohl, wenn schon nach so kurzer Zeit “ der Neue “ – Albrecht – ganz selbstverständlich zur Kenntnis genommen wird. Viel mehr Polen als Deutsche haben mir bisher alles Gute zum Gelingen der Pläne mit dem Haus, dem Park, der Kapelle und mit den Pflanzen gewünscht. Es ist wohl verstanden worden, daß ich nur einer unter vielen sein möchte, der zwar mit mehr Möglichkeiten aber eben für alle etwas tut, was er eigentlich gar nicht tun müsste. Ich bin immer wieder erstaunt, mit wie viel Hingabe in LEGI beim Aufbau geholfen wird. Viele erinnern daran, wie es noch zu Jahresbeginn ausgesehen hat, und wie die ursprüngliche Schönheit des Grundstückes schon sichtbar wird .Meine besten Ratgeber kommen aus den Familien in LEGI, die noch Bilder und Erinnerungen aus früherer Zeit haben, und die wir dann auch schnell in die neue Wirklichkeit ertragen konnten. Das kommende Jahr wird wohl noch ganz dem Aufbau dienen müssen; dann aber werden wir bereits “ ernten “ können. Dann müßten die ersten Pensionsgäste eingetroffen sein; dann müßten die ersten Ergebnisse aus den Pflanzen sichtbar geworden sein. Dann müßten die ersten dauernden Arbeitsplätze geschaffen werden können. Das jedenfalls ist mein Wunsch an 2002 und 2003. Viele werden mir sicher wieder helfen, diese Ziele zu erreichen. Dafür möchte ich mich jetzt schon sehr herzlich bedanken. Da der Nikolaus die Rute nicht aus dem Sack geholt zu haben scheint, wird auch das Weihnachtsfest für Sie ein möglichst zufriedenes sein. Und das neue Jahr wird allen denen, die wirklich wollen, – wenn Sie denn können – Erfolge bringen; dessen bin ich mir sehr sicher !!!

Gesundheit, Friede, Nachbarschaft und schöne Gemeinsamkeiten wünscht Ihnen

ALBRECHT, „der Neue“ in LEGI

04. November 2001

Es gibt wieder so einiges positive und negative neu zu berichten:

Da ist zuförderst die Ernennung unseres Bürgermeisters Wziatek zum RP in Stettin. Das wird unserem Pflanzenvorhaben bei der Registrierung und der Erlaubnis für größere Flächen neue Impulse geben. Weiter haben wir unsere beiden Vereine vorantreiben können. In Legi hat Dorota den Verein bestätigt erhalten und wir haben in Bonn bereits den Eintrag im Register- hier fehlt nur noch vom FA . die uneigennützige Erklärung. Das soll aber bis Weihnachten auch geklärt sein.

Bogdan hat sich für 2 weitere Zimmer stark gemacht, so daß wir Weihnachten mit bis zu 14 Personen feiern können.

Dann haben wir wieder 2 Polen Arbeit in Deutschland verschaffen können – vorher waren mehrfach bereits 2 – 3 bei uns in Bonn und in Frankreich. Die jungen Menschen sind stets begeistert, wenn sie kommen können, die Verdienste zu Hause sind einfach zu wenig für eine Familie – ca DM 400,-/Monat.

Auf dem Miscanthusgebiet wird es immer lebendiger – möglichst viel Bio-Masse ist derzeit das große Stichwort – vom TV WDR begleitet – und Miscanthus scheint an vorderster Linie im Ertrag pro ha zu stehen. Wir haben inzwischen rund 700.000 verpflanzbare Stecklinge, das reicht für weitere 6 ha. Damit könnten wir genau im Zeitplan sein, ab wann Stecklinge in Polen en masse benötigt werden. Das wäre ein ganz großes Glück und würde all unsere Finanzsorgen schlagartig regeln.

Inzwischen haben sich eine Reihe ehemaliger Langener aus den Jahrgängen 1930 – 1935 gemeldet. Einige haben unter der Regie von Günther Kohls Langen im August besucht. Wir haben alle möglichen Adressen ausgetauscht und damit neue Geschichten aus der alten Zeit sammeln können. Ein Artikel in der Pommern-Zeitung hilft ebenfalls zu Kontakten aus ehemaliger Zeit.

Leider scheint meine eigene Familie die Lage der Dinge nicht mit meinen Augen zu sehen

– gelinde ausgedrückt -. Hans Heinrichs Töchter stellen seit einiger Zeit eigenartige Langen-Fragen im größeren Familienrund – an mir vorbei -.

– hat Albrecht eigentlich den „ Erben von Langen „ – Hans Gerd – vor seinen Aktivitäten um Erlaubnis gefragt ?

– und auf meine Beantwortung der Frage mit Schriftbeweis – „ na dann ist ja alles in Ordnung „ schickt Sitta an Ria eine Nachricht, sie habe die Anfrage an Hans Gerd erst kürzlich erhalten

– mit dem Unterton, ich hätte Hans Gerd gar nicht angeschrieben – Thilo würde mir demnächst dazu schreiben.

Dieses Verhalten habe ich bei Beginn meiner Tätigkeit für Langen zwar vorausgesehen, es tut aber doch weh. Denn, als die Ruine kaum reparabel bis 01.04.2000 da stand, rührte sich keine Hagenhand. Alle verweigerten sich einer tätigen Hilfe, viele erschienen mit Pomp und Trara und weisen Ratschlägen zum Einsegnen der Erinnerungstafel für Vater Albrecht. Viele lehnten lauthals jede Finanzaktion für Langen aus den verschiedensten Gründen ab. Jetzt wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt: Albrecht will Langen illegal erben, geschenkt erhalten oder vereinnahmen und die Situation ausnutzen. Nur Wichard und Ria – Schöning mit Nachnamen – unterstützen tatkräftig und helfen bestmöglich.

Ich wiederhole meine Triebfeder bei der demnächst an DM 400.000 sich nähernden Investition : Laßt Langen wieder Familienzentrum für alle Nachkommen von Gerhard/Elisabeth v. Hagen-Langen werden. Das bedingt ein funktionsfähiges und für die Familie erinnerungsfähiges Haus mit Umfeld. Das bedingt ein gewachsenes Gefühl für Familientraditionen und – Bewusstsein. Das bedingt elterliches Aufmerksam machen auf: wo kommen wir her ?? Das bedingt ein sich vor Ort informieren, wenn was nicht richtig verstanden worden ist !!

Das bedingt keinesfalls neidisches Pochen auf alte Zöpfe wie wertlose Erbscheine, nachdem alles wieder hergestellt ist. Und das bedingt auch nicht hinterhältige Verbreitung von Gerüchten, Albrecht habe vielleicht getrickst. Ich persönlich benötige den Familienverband, Familienschelte und Belehrungen ebensowenig wie den Denkmalschutz. Das stört eigentlich nur. Aber der polnische Denkmalschutz hält sich vor Ort informiert und gibt die gewünschte Hilfe durch von mir erbetene Nichteinmischung. Die eigene Familie gibt kaum moralische Rückendeckung durch öffentlich sich zu dem Projekt stellende Aussagen.

Sie – die Familie – ziert sich, die Anfrage von Ria eindeutig zu bejahen, ihre nachträgliche 85. Geburtstagsfeier in Langen gemeinsam zu begehen. Langen wäre dazu fähig und ich habe Ria persönlich zu diesem Treffen bestärkt. Kapiert die Familie denn nicht, daß es hier nicht um mich, sondern um Ria, – einer der noch lebenden Töchter von Gerhard/Elisabeth – geht, die dort aufgewachsen ist und sich ein besonderes Langener Ereignis herzlichst wünscht ?? Stattdessen wird gemunkelt: das ist es doch, was Albrecht sich so sehr wünscht; damit muß die Familie sein Werk in Langen zur Kenntnis nehmen und anerkennen. ( Das hat Albrecht gar nicht nötig !!! )

10.01.2002

Das war vielleicht ein Weihnachten. Schnee- und Eis-Chaos auf den Strassen und in Langen sollte die Weihnachtsfeier a la Familie starten. Marek und sein Vater hatten bei mir in Bonn eine mehrwöchige Arbeit angenommen und fuhren am 18.12. mit mir im vollbeladenen Bus mit Anhänger nach Langen voraus. Morgens 0430 in Bonn los und nach ca 7 Stunden an der Grenze – normale Zeit -. Dort aber wollte man mich mit soviel Gepäck nicht als Tourist einfahren lassen; wir sollten über die LKW Abfertigung in Pomellen einreisen. Das hätte 2 Tage gedauert, also versuchten wir unser Glück auf einer nördlicher gelegenen Grenzstation und hatten nach einigem Hin und Her Glück. In Langen schon 30 cm Schnee. Ausladen, ein Wodka, ins Bett und — am nächsten Morgen Elektroausfall in der ganzen Region. Bis zum 24.12. täglich ca 4 – 5 Stunden Stromausfall; also: keine Heizung, kein Wasser, kein Licht.

Am 23. wollte die Familie nachkommen; auch sie kam nur bis zur Autobahn-Grenze, weil der belgische Besuch mit seinen beiden Töchtern keine Reisepässe hatte und die polnischen Grenzer eine Ausnahmegenehmigung um 1700 Uhr ohne Vorgesetzte zurecht ablehnten. Hilferufe von der Grenze – 3 Stunden Fahrt zur Autobahn- Grenze im dicken Schneegestöber, auf die deutsche Seite und weiter zum verabredeten Punkt an der nördlichen Grenze – bei der wir so gute Erfahrungen gemacht hatten. Kurz vor der Grenze stand das belgische Auto gegen Mitternacht – zum Heilig Abend – umgeben von deutschen Polizisten, die glaubten, einen Kinderräuber Fang gemacht zu haben. Nach langer Wartezeit warten alle – Erwachsene und 4 Kinder ganz schön mürbe – und hofften auf unseren Erfolg an der Nordgrenze. Dort jedoch half auch kein Bitten und Betteln. Das belgische Auto wurde nicht eingelassen, es mußte drehen und meine lieben Weihnachtsgäste entschieden sich für ein Hotel in Prenzlau, das Ria ihnen gefunden hatte. Erst einmal schlafen und dann überlegen, was weiter geschehen sollte. Mein Marek und ich, wir fuhren im Schneesturm wieder zurück und fielen gegen 5 Uhr todmüde in die Federn.

Nach dem Frühstück lange Telefonverhandlungen, was nun weiter geschehen sollte. Mein Vorschlag, den Belgier mit Töchtern nach Hause zu schicken und die Familie mit mir nach Langen wurde nicht angenommen. Stattdessen führen meine liebe Frau mit ihren Enkeln und Ariane mit Freund und seinen Töchtern im Schneesturm 700 km zurück nach Bonn, Ankunft dort um Mitternacht. Stromausfall bis 1600 Uhr am Heilig Abend. Aber dann: Meine polnischen Freunde hatten natürlich erfahren, was los war und kamen mich in vollem Wix feierlich besuchen, tranken verbotenerweise mehrere Wodkas und verschwanden spät zu Freunden oder in die Kirche. Heilig Abend – ein 5. Mal alleine – man bekommt Routine.

Es schneite aus allen Rohren, die Strassen voller Schneewehen, das Land erstarrte in wunderschönem unberührtem weißen Kleid. Ein Augenschmaus, als die Sonne herauskam. Der 1. Feiertag ein wirklicher Feiertag, ein Familientag, ein Kindertag mit Rodeln und Schneeballschlacht, mit Skiern, Schlitten, Pferdejöring und großem Treff im großen Haus bei Albrecht mit Kuchen und kleinen Geschenken, mit Kinderlachen und Opaglück. So ein Weihnachten hat es Jahrzehnte auch in Langen nicht mehr gegeben. ( Und das hätten meine Enkel auch erleben können, wenn ihre Oma und ihre Mutter eine zwar harte aber eigentlich Situations entsprechende Entscheidung zu Gunsten von Langen getroffen hätten. nun allerdings tauchten existenzielle Fragen auf: warum kam Karin nicht, wo steht Karin in der Familie bei der Handlungsweise, wie komme ich nach Bonn zurück ?? Der Haussegen hing ganz schön schief bis Karin für sich entschied, am 28.12. mit der Bahn nach Langen zu kommen. Die Bahnfahrt entpupte offenbar sich als sehr angenehm, denn Karin will auch das nächste Mal mit der Bahn kommen. 2 ruhevolle und schöne Tage zum Jahresende in Langen wurden das dann, nachdem alles wieder klar war, wo wer eigentlich hingehört. Die Abreise kam aus Wettergründen dann wieder sehr abrupt, quasi aus der Hüfte. Um 10 Uhr entschieden, schnell eingepackt und um 1100 Uhr rollte der Bus heim durch Schneewehen uund über 650 km glatte Straßen.

12.02.2002

Es scheint, als hätten sich ein Teil der Langen „ Wogen „ geglättet. Meine Kritik am Buch von Daggi war wohl der Blitzableiter, ( und das obwohl die Familie Buch und Kritik immer noch nicht nebeneinander zur Kenntnis genommen hat ). Der Brief von Thilo – wohl im Auftrag seiner Mutter verfaßt – zeigt allerdings noch insgesamt nicht hinnehmbare Ansichten. „ Du hättest uns Erben fragen müssen etc. „ Nun inzwischen kommt Rias Fest immer näher. Auch die Polen beginnen, immer gespannter auf das sich abzeichnende Großereignis im Haus zu sein. Sie spauen sich und halten alle bisherigen Termine fast preussisch ein.

Wieviele Hagens werden mit ihren Angehörigen erscheinen, wo erden sie wohnen, was werden sie wann zu essen erhalten, welche besonderen Events werden verlangt bzw. angeboten. 57 sollen bereits zugesagt haben, aus Amerika, aus Spanien, aus Frankreich und aus Belgien und Deutschland. Die Familie scheint vom Heimatgeist mehr und mehr angesteckt zu werden. Familienheimat, Herkunft, wer waren unsere Vorfahren, was haben sie wann erlebt und getan. Bei jung und alt wächst die Neugier und wird an Rias Tagen in Langen viele viele Fragen aufwerfen und nach verständlichen Antworten verlangen. Ich möchte sie ihnen gerne im eigenen Heimatbewußtsein geben. Ich hoffe sehr, vor allem die jungen Menschen werden mich verstehen.

7 Schlafzimmer stehen neben der Wohnung im Erdgeschoß bereit, zusätzlich das Büro, der Saal mit der Anrichte und der Eingang mit den beiden großen Flügeltüren. Die ausladende Treppe wird in den nächsten Tagen fertig. 2 Räume für die Matratzenlager und notdürftige Sanitäranlagen sind im Bau. um möglichst viele Jugendliche ganztägig im Haus und auf dem Grundstück haben zu können.

Seit dem Sommer haben sich auch die Kontakte zu den „ alten Langenern „ verstärkt. Günter Kohls ist die treibende Kraft. Er hat zu fast allen jahrelang den Kontakt gehalten. Nun wollen viele aus Anlaß der Geburtstagsfeier von Ria sich direkt an das Hagenfest anschliessend in Langen treffen, um Ria zu erleben. Wir werden alles tun, um diesen Menschen in Langen eine Freude zu machen und sie mit den in Légi wohnenden in Verbindung zu bringen. Auch dort brodelt es bereits mächtig. Ein Teil wird schon Ostern vorbeischauen. Ich werde dort sein; denn die Vorarbeiten bedürfen jetzt schon einer Reihe von organisatorischen Maßnahmen.

Dabei muß stets wieder die ordnende Hand von Bodan-Beton hervorgehoben werden. Was würde ich nur ohne ihn und Dorota tun können?

Inzwischen hat sich politisch so einiges ereignet.

– Da das Grundstück bislang nicht ordnungsgemäß vermessen worden ist, soll ein „ Geodat „ das tun. Aber der hat zwar sein Geld erhalten, aber immer noch keine Grenzsteine gesetzt

– Der Bürgermeister von Polzin ist überraschend zum 01.11.2001 Regierungspräsident für Westpommern geworden und damit auf sehr viel höherer Ebene unser Beschützer. Ich hoffe sehr auf seine weitere Hilfe in Bezug auf Eigentum und MISCANTHUS

– Frau Novak – Wziatek Vertreterin – ist nun am Zug. Sie kennt unsere Sache ebenfalls gut.

Ob sie sich auch so einsetzen wird ??

Auf Hochtouren wurde in Langen, in Bonn, in Berlin und in Büecke vorbereitet.

Offizielle Einladungen gingen an:

Frau Bürgermeister Barbara Novak, Polczin Zdroj

Frau Jadwiga Szymanska Polczin

Frau Danuta Kozik Polczin

Herrn Wojewode Stanislaw Wziatek, Szczecin

Herrn Bischof Ignacius Jesch, Kosalin

Herrn Starosta Zdziskaw Chojnack Swidwin

Herrn Pastor Raimund Tessmer Redlo

Herrn Dyrektor Schule Swidwin

Herrn Dyrektor Maciej Szwed Schule Redlo

Frau Dyrektor Jadwiga Bienkowska Redlo

Frau Dyrektor Jadwiga Peciak Polczin

Frau Dyrektor Krystina Peciak Schule Polczin

Herrn Direktor Bank Polczin

Herrn Stefan Wysinski Barwice

Herrn Burmisc Kazimierz Kowalski LEGI

Dolmetscher: Eva, Anetta, Andrej, Peter, Katarina, Maciej

„Am Freitag, 05. Juli und Samstag den 06. Juli 2002 wird Frau Viktoria v. Schöning geb. v. Hagen in ihrem Geburtshaus in LEGI ihren 85. Geburtstag mit einer großen Anzahl aus der Hagen-Familie feiern. Es ist dies für die Familie und für LEGI eine ganz besondere Gelegenheit. Aus USA, Spanien und anderen europäischen Ländern haben Gäste zugesagt. Eine kleine Feier zusammen mit Honoratioren aus Kirche, Politik, Kultur, Wirtschaft und Presse wird zur Zeit für Freitag, 05. Juli ab 1745 Uhr vorbereitet. Die Feier möchte unter anderem die Verbundenheit zu Polen vertiefen.

Frau Viktoria v. Schöning, Albrecht v. Hagen und Wichard v. Schöning möchten Sie in LEGI im renovierten Hausteil

– auch zu Ehren des Weggefährten von Claus Schenck Graf v. Stauffenberg, Albrecht v. Hagen sen. – empfangen dürfen und bitten Sie hiermit um Ihre Zusage.

– bitte haben Sie bezüglich der Form Nachsicht-

Die Feier wird ca 1 Stunde dauern und anschließend mit einer kleinen Erfrischung enden.

Dann kam es knüppeldick, Ria wurde- wahrscheinlich vor lauter Vorfreude – transportunfähig krank.

Leider wurde der nun folgende Brief an die Hagens am Dienstag, 11. Juni 2002 erforderlich:

„ Besuch in Langen

Liebe Familie, liebe Hagen – Freunde

Karl Viktor hat uns allen mitgeteilt, das Rias Gesundheitszustand in den letzten Tagen gelitten hat, so daß sie erst einmal Ruhe benötigt. Wir bedauern alle sicher sehr, daß Ria aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit nicht nach Langen anreisen kann. Sicher wird sich das im Spätsommer nachholen lassen.

Ich habe in „ DOMO – LANGEN „ die angelaufenen Vorbereitungen für die Hagen – Mammuttage gestoppt und auf Normalbetrieb umgestellt. Falls Ihr Eure geplanten Tage in Langen auch ohne Ria verbringen möchtet oder gar aus dem Kurztreffen einen kleinen Urlaub machen möchtet, laßt mich das bitte wissen, damit ich entsprechendes vorbereiten kann.

Vom 8. Juli bis zum 10. Juli haben die „ alten Langener „ einen Besuch geplant. Das sind die Kinder und Enkel der ehemals Langener Bauern und Stammarbeiter ( Melker, Förster, Gärtner u.ä. ) „ Die Einladung an die Offiziellen hielt ich aufrecht. Eine Absage hätte unkalkulierbare Folgen in der Zukunft gehabt.

Horst Klug schreibt zum Treffen in Langen:

Herbstzeit in Langen

eine kleine Geschichte von

Horst Klug, Bernau

14.12.2002

Der Herbst begann für uns Kinder, wenn die Gänse auf den Stoppelfeldern ihr Futter für die Mast suchten, beim Kartoffellesen Taschengeld verdient wurde und die Kastanien und Eicheln auf die Erde fielen.

In jenen Tagen konnte man viele Jungen und Mädchen beobachten, die unter den zahlreich im Ort stehenden Kastanienbäumen reiche „Beute“ machten.

Welche Freude blitzte da in den Kinderaugen auf, beim Betrachten der braun glänzenden Früchte! Die Maserung auf der braunen Haut erinnerte uns an Möbel in der „guten Stube“.

Doch viel interessanter waren die weiß-braun gescheckten mit ihrer großen Vielfalt.

Was haben wir nicht alles aus Kastanien und abgebrannten Streichhölzern gebastelt. Die wunderlichsten Dinge und Tiere standen dabei Modell. Von den zwei mächtigen Eichen an der Muglitz kamen die Eicheln. So wurden die Kastanien oft mit Eicheln dekoriert.

Den Höhepunkt bildete aber das Wetteifern mit der „Kastanienschleuder“. Man brauchte dazu nur einen kurzen Stock, der mit einem Draht umwickelt wurde und eine auslaufende Spitze erhielt.

Im Wettkampf unter den Jungen ging es darum wer mit seiner Schleuder die größte Weite oder Höhe erreichte. Für das Höhenschleudern dienten Bäume, Scheunen und manchmal auch Hausdächer. Eines Tages führte uns der Weg an der Kirche vorbei. Schnell kam der Gedanke auf: „Wer kommt mit seiner Schleuder über das mächtige Kirchendach.“ Sofort wurden Kastanien auf die Schleuderspitze gesteckt, und der Wettkampf begann. Jemandem rutschte eine Kastanie ungewollt ab und durchbrach die wunderschönen Kirchenfenster mit solch einer Kraft, dass die Kastanie auch die gegenüberliegende Fensterseite beschädigte. Sofort wurde der Wettkampf abgebrochen. Nach einer Begutachtung des Schadens, stellten wir fest, nicht eine sondern mehrere Kastanien hatten ihr Ziel in den Kirchenfenstern gesucht. Die möglichen Folgen voraussehend, schlichen wir Jungs reuevoll nach Hause. Schon am nächsten Tag betrat unser Lehrer in heller Aufregung die Schulklasse und forderte die Übeltäter auf, sich zu melden und Stellung zu nehmen. Hans-Joachim, Heinz, Gerhard, Willi und Horst bekannten sich zu ihrer Verfehlung.

Aber der Höhepunkt kam noch. Lästerungen von den Dorfbewohnern waren dabei das kleinere Übel. Unser Pastor forderte eine Bestrafung der Übeltäter und keine Bescherung am Heiligen Abend in der Kirche. Unsere letzte Hoffnung setzten wir Jungen auf den Rittergutsbesitzer, der die Klärung der Angelegenheit übernahm. Im Ergebnis einer Beratung mit den Eltern kam es zu einem milden Urteil. Die Eltern der Übeltäter hatten als Wiedergutmachung 5 RM zu zahlen (damals viel Geld).

Die Schadensbeseitigung übernahm der „Herr Major“, so wurde der Rittergutsbesitzer genannt. Keine Bescherung für die Übeltäter am heiligen Abend war selbstverständlich. Wir Jungs waren von dieser Güte unseres „Herrn Majors“ sehr angetan und haben nie wieder versucht, einen Kastanienwettkampf auch nur in der Nähe der Kirche auszutragen.